Medienberatung
75
Jahre Westfälisches Landesmedienzentrum
„Westfälisches Landesmedienzentrum – Knotenpunkt
im Netzwerk der kommunalen Bildstellen und Medienzentren“
von Günther Kröger (10/2003)
Als geradezu rasant kann wohl die Medienentwicklung
der letzten Jahr(zehnt)e bezeichnet werden. Wir alle erleben gegenwärtig
den Übergang von der analogen zur digitalen Welt. Stehende und bewegte
- nicht selten auch bewegende – Bilder werden längst nicht mehr nur
auf Zelluloid und Magnetband gespeichert, sondern digital auf Silberscheiben
(CD-ROM, DVD etc.) gepresst oder auf kugelschreibergroßen USB-Sticks
gespeichert. Kaum begibt sich der innovationsfreudige Mediennutzer in diesen
Quantensprung – für manch einen ähnelt er mehr einem Spagat –
wird auch schon die nächste Ära eingeläutet: Medien werden
über Netze per Download oder Streaming-Verfahren im Prinzip für
Jedermann verfügbar.
Diese technische Entwicklung hat
immense gesellschaftliche Auswirkungen und betrifft daher auch die Institution
Schule in originärer Weise. Endlich scheint die Zeit gekommen, in
der ein altes medienpädagogisches Ideal für die Versorgung der
Schulen mit Bildungsmedien, die „vier
j”
(jedes Medium zu jeder
Zeit an jedem Ort in jedem
Lernzusammenhang), in greifbare Nähe rückt.
Ein auf den ersten Blick nahe liegender
Gedanke kommt in dieser Situation manch Undedarften, der meint, Schulen
könnten an den modernen Errungenschaften der Informations- und Kommunikationstechnologien
in der Form teilhaben, indem sie sich die kostenlosen und überall
frei verfügbaren (neuen) Medien doch einfach aus dem Internet herunterladen.
Jede Schule ist ja bekanntlich mittlerweile „drin”
(im Internet) und verfügt über schnelle ISDN- oder gar DSL-Zugänge.
Im Gebäude selbst sorgt der Schulträger – in der Regel also die
Kommune – dann nur noch für die - im doppelten Sinne - einmalige Erstausstattung
mit entsprechender Hardware, z. B. ein Computerraum und/oder ein PC im
Lehrerzimmer mit einer entsprechenden Vernetzung, und hat damit seiner
gesetzlichen Verpflichtung der Medienbereitstellung (§ 30 SchVG) Genüge
getan.
Auf der Abnehmerseite stände
nach diesem Denkmodell der Mediennutzung nichts mehr im Wege. Die klassische
Trennung der inneren und äußeren Schulangelegenheiten scheint
auf diese Weise perfekt erreichbar zu werden: Während also der Schulträger
für den schnellen Internetzugang sorgt, braucht im „Haus
des Lernens” nur noch das für die Lehrerfortbildung zuständige
Land seine Lehrerschaft fit zu machen, damit die wunderbaren Errungenschaften
und Möglichkeiten der Medien im Internet-Zeitalter auch adäquat
zum Wohle der Schüler genutzt werden können.
Dass das alles so einfach nicht funktionieren
kann, weiß längst jeder, der sich mit diesem speziellen Themenbereich
ernsthaft auseinandersetzt. Professionelle Bildungsmedien sind - bis auf
Ausnahmen - nicht kostenlos zu haben, und längst bewahrheitet sich
die Prognose, dass die Datenautobahn zwar ständig ausgebaut wird,
die Anzahl der „Mautstellen”
allerdings auch proportional ansteigt. Bei der zunehmenden Komplexität
der zur Verfügung stehenden Medien-Technologien mit immer kürzer
werdenden Innovationszeiträumen sowie einer geradezu explodierenden
Informationsfülle von und über Bildungsmedien ist eine zunehmende
Kompetenz auf der Nutzerseite notwendig, die mit einem stetigen Beratungsbedarf
parallel verläuft.
Es besteht allgemein Konsens in der
Überzeugung, dass sich die Arbeit mit den Medien auch in den Bildungs-
und Kultureinrichtungen weiterhin erheblich verändern wird. Dabei
wird deutlich, dass technische Ausstattung und darauf abgestimmte pädagogische
Konzepte nicht automatisch ohne konzeptionelle Begleitung die Lernsituationen
verbessern werden, sondern dafür in erheblichen Umfang Unterstützungs-,
Beratungs- und Fortbildungsaufwand notwendig sein wird. Akzeptiert ist
auch die Überzeugung, dass die zunehmenden Herausforderungen nicht
mehr isoliert in einzelnen Einrichtungen und Institutionen auf getrennten
politischen Organisationsebenen gemeistert werden können, sondern
eine gemeinsame Aufgabe der Gesellschaft darstellt. Dieser Standpunkt kommt
in der „Gemeinsamen Erklärung”
des Landes NRW und der kommunalen Spitzenverbände zum Ausdruck: „Land
und Kommunen müssen beim Lernen mit Neuen Medien ihre Anstrengungen
in den nächsten Jahren weiter verstärken.”1
In dieser Situation brauchen Schulen
und Bildungseinrichtungen mehr als je zuvor dauerhafte, verlässliche
Beratung, Fortbildung und Unterstützung. Diese wird seit Jahrzehnten
so zentral wie notwendig und so ortsnah wie möglich durch die kommunalen
Bildstellen und Medienzentren durchgeführt oder organisiert, mit -
je nach lokaler Schwerpunktsetzung - unterschiedlichen Dienstleistungsprofilen.
In diesem “Medien-Kompetenz-Netzwerk” spielt das Westfälische
Landesmedienzentrum (WLM), ehedem Landesbildstelle Westfalen, eine
wichtige Rolle. Das WLM ist der überregionale Unterstützer der
regionalen/lokalen “Bildungsmedien-Unterstützer” und kann auf unterschiedliche
Weise als medienpädagogischer Dienstleister den westfälischen
Kommunen in allen Fragen des Medieneinsatzes behilflich sein.
Traditionell kommt dem WLM bei der
Produktion landeskundlicher Medien sowie der Sammlung, Archivierung, Erschließung
und Präsentation historischer und aktueller Bild-, Film und Tondokumente
aus Westfalen/Lippe eine besondere Bedeutung zu. Auch im Bereich der Beschaffung,
Dokumentation und Distribution audiovisueller Medien leistet das WLM einen
wichtigen Beitrag und unterstützt damit die Arbeit der kommunalen
Bildstellen und Medienzentren auf einem Qualitätsniveau, das nur in
einem vernetzten System realisiert werden kann. In Workshops, Fachtagungen,
Fortbildungsveranstaltungen sowie vielen Einzelgesprächen wird ein
Informations- und Erfahrungsaustausch auf zahlreichen Ebenen gesichert,
der wiederum unmittelbar den Service und die Beratung vor Ort zu verbessern
hilft.
Als aktuelle Beispiele sei hier auf
die hervorragende Unterstützung im Bereich der Medienverwaltung und
Datenverarbeitung (Antares) sowie der immense Aufgabenkomplex bei der Einführung
und Umsetzung der elektronischen Mediendistribution (EDMOND) in Nordrhein-Westfalen
hingewiesen. Im Rahmen der „Werkstatt
Medienzentren 2005” - einer Kooperation der Landschaftsverbände Rheinland
(Medienzentrum Rheinland - Medienberatung NRW) und Westfalen-Lippe (WLM)
sowie der e-nitiative.nrw - werden
gegenwärtig die laufenden Aufgaben in den lokalen Bildstellen und
Medienzentren im Hinblick auf die künftigen Anforderungen überprüft,
um differenzierte, mittelfristige Konzepte zu entwickeln und neue Organisations-
und Kooperationsmodelle zu erproben.
Bei allen Überlegungen, wie
der sinnvolle und angemessene Einsatz von Bildungsmedien zukünftig
sichergestellt werden kann, muss stets berücksichtigt werden, wie
im Sinne eines vernetzten Systems Aufgaben so flexibel, arbeitsteilig und
effizient wie möglich durchgeführt werden können. Hierbei
handelt es sich um eine Herausforderung für die gesamte Informationsgesellschaft,
und es gilt, sie gemeinsam zu meistern. Da es einzelne Schulen und Bildungseinrichtungen
auch weiterhin keinesfalls leisten können, ein vielfältiges und
breites Medienangebot rechtlich einwandfrei vorzuhalten und zu organisieren,
ist die Komplementärfunktion des Westfälischen Landesmedienzentrums
im Rahmen eines vertikal gegliederten Systems der kommunalen Bildstellen
und Medienzentren sinnvoll, wichtig und notwendig. Es gilt, die Kräfte
für die Bewältigung dieser Zukunftsaufgaben zu bündeln und
zu stärken.
Literatur:
| 1. |
Gemeinsamen
Erklärung der Landesregierung NRW, des Landkreistages NRW, des nordrhein-westfälischen
Städte- und Gemeindebundes und des Städtetages NRW, 02.11.1999  |
Anmerkung:
Dieser
Beitrag ist leicht verändert unter dem Titel „Medienzentren im Medienwandel”
in der Fachzeitschrift des Westermann Verlags L.
A. Multimedia, Heft 2, Mai 2004, S. 20f, erschienen.

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