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Pressemeldung vom 16.12.2011

„Man denkt auf einmal anders“ – Ernst-Peter Entz aus Bad Lippspringe spendete Stammzellen für 23-jährigen Amerikaner

Kreis Paderborn (krpb.) Zum dritten Mal in seinem jungen Leben hat ein 23-jähriger Amerikaner die Schreckensdiagnose bekommen: Leukämie. Nur noch eine Stammzellentransplantation kann dem Medizinstudenten jetzt noch das Leben retten.

Ernst-Peter Entz aus Bad Lippspringe wünscht sich nichts sehnlicher, als seinem genetischen Zwilling diese Chance auf ein neues Leben zu schenken.

Seit einigen Jahren schon ist Ernst-Peter Entz in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert. Lothar und anderen wollte der Finanzbeamte damals helfen, folgte im Juli 2007 einem Aufruf zur Typisierungsaktion. Dass er im Oktober dieses Jahres tatsächlich noch als Spender „zum Zuge“ kam, hatte der Finanzbeamte nicht mehr erwartet. Er gehe ja schließlich schon auf die 60 zu.

„Das ist in der Tat wirklich selten“, erzählt Simon Stifter, Mitarbeiter der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Aufgrund der Altersgrenze werden mit dem 61. Geburtstag Spenderdaten aus der Datei genommen. „Aber es ist eine tolle Geschichte“, findet Stifter.

Die Information, dass Ernst-Peter Entz als Spender für einen Patienten in Frage kommt, flatterte zur Urlaubszeit in den Briefkasten. Seine Tochter habe ihn dann telefonisch informiert. „Ich war platt, hatte an einen Irrtum gedacht“, so der Bad Lippspringer.

Doch zu keinem Moment habe er daran gezweifelt, zu helfen. „Mir war klar, dass ich das mache“, betont der Familienvater. Schließlich sei er „wohl der einzige Mensch auf der ganzen Welt, der helfen konnte“, erzählt Entz beeindruckt.

Achtung und Respekte für diesen Einsatz zollt Landrat und Schirmherr Manfred Müller dem 59-Jährigen, der nun im Paderborner Kreishaus seine Erfahrungen und Erlebnisse schilderte. Für sein Engagement und seine Hilfsbereitschaft überreichte der Landrat dem Lebensretter eine Urkunde. „Es ist etwas Bedeutendes und Einzigartiges, was sie machen und schaffen konnten“, betont Müller. Tagtäglich haben die Menschen wichtige Dinge zu erledigen. Doch sei eigentlich nichts wichtiger, als anderen das Leben zu retten.

Schon Tage vor der Spende habe Ernst-Peter Entz bewusst auf sich aufgepasst. „Ich bin nicht mehr auf die Leiter gestiegen, bin sorgsamer Auto gefahren“, schmunzelt er. „Man denkt auf einmal anders.“

Fünf Stunden dauerte schließlich die Stammzellenspende, 40 Umläufe musste das Blut des Bad Lippspringers im Separator machen. Von morgens bis abends habe man ihn im Hamelner Krankenhaus auf den Kopf gestellt.

Gut sei es ihm nach der Spende leider nicht gegangen, erzählt Entz. Doch „ich habe durchgehalten, irgendwie. Ich bin hart im Nehmen“, so der 59–Jährige. Man sei von den Eindrücken so fasziniert, dass man nicht darüber nachdenkt.

„Es ist gigantisch, was die Spender erleben und welchen Aufwand sie betreiben“, findet auch Simon Stifter.

Wie es mit den Stammzellen nach der Spende weitergeht, wusste der Mitarbeiter der DKMS im Kreishaus zu berichten: Ein Kurier kommt mit einem gekühlten Spezialkoffer direkt zur Klinik. Anschließend begab sich ein Überbringer sofort samt lebenswichtiger Fracht zum Flughafen, ohne den Koffer aus den Augen zu lassen, und startete mit dem Flieger in Richtung USA. Es muss so schnell und sorgsam gehen. Denn „man muss alles dafür tun, das wertvolle Leben zu retten. Innerhalb von 48 Stunden sind die Zellen tot“, erklärt Stifter.

Einen sehr rührenden Brief habe Entz bereits von seinem genetischen Zwilling auf dem anonymen Wege erhalten. Erst nach zwei Jahren ist ein Kontakt zwischen Patienten und Spender möglich. Doch „es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke“, erzählt der Finanzbeamte.

Der Landrat richtet seinen Dank auch an jeden Arbeitgeber, der die Aktionen der DKMS mit trägt. Auch für den Vorsteher des Finanzamtes Paderborn, Michael Köhne, war das Engagement selbstverständlich.

485 Stammzellenspender gibt es derzeit im Kreis Paderborn. Damit belegt der Kreis Paderborn im deutschlandweiten Vergleich hinter Osnabrück und Berlin den 3. Platz.

30.479 Spender und somit mehr als 10 % der Bevölkerung im Kreisgebiet, sind derzeit in der Deutschen Knochenmarkspenderdatei registriert. „Und es können täglich mehr werden“, so der Wunsch aller Beteiligten.

 

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