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21. September 2017

Alme darf natürlich fließen

Der Fluss Alme bei Ringelstein wird auf 900 Metern renaturiert. Die Bauarbeiten haben begonnen.

Renaturierung der Alme 
Spatenstich zur Renaturierung der Alme bei Ringelstein: 1. Reihe, von links: Dirk Nölting (Ortsvorsteher), Christian Hauschulte-Oberdick (Tiefbauunternehmer), Marianne Thomann-Stahl (Regierungspräsidentin), Landrat Manfred Müller, Prof. Winfried Stichmann (NRW-Stiftung), 2. Reihe von links: Hubertus Nolte (1. Vorsitzender GfN eV.), Volker Karthaus (WOL), Stefan Theis (Referatsleiter Liegenschaften NRW Stiftung), 3.Reihe von links: Karsten Schnell (Biologische Station Kreis PB), Franz Mattenklodt (GfN eV.), Ralf Kloke (Planungsbüro NZO GmbH) (Foto: Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kreis Paderborn, Anna-Sophie Schindler)

Sie ist 59 Kilometer lang und der einzige Karstfluss in Nordrhein-Westfalen: Die Alme. Auf 900 Metern Länge soll sie von September 2017 bis Februar 2018 bei Büren-Ringelstein nach der Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union renaturiert werden.

„Flüsse haben sind ein besonders prägendes Merkmal unserer heimatlichen Natur im Kreis Paderborn. Wir fördern den Hochwasserschutz und werten sie auf durch Renaturierung“, sagte Landrat Manfred Müller beim Spatenstich. „Wir haben hier eine wunderschöne Gegend und tragen mit dieser Maßnahme dazu bei, dass sie weiter aufgewertet wird“, sagte Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl. Die beiden dankten allen Akteuren, die die Renaturierung möglich machen.

Die 40 Hektar Auenfläche rund um die Alme stellt die NRW-Stiftung mit Prof. Wilfried Stichmann zur Verfügung. Die Betreuung leisten die Mitglieder der Gemeinschaft für Naturschutz mit ihrem Vorsitzenden Hubertus Nolte. Fachliche Beratung gab es von Carsten Schnell von der Biologischen Station; die Koordinierung der Arbeiten übernimmt der Wasserverband Obere Lippe (WOL) und den finanziellen Part in Höhe von 275.000 Euro leisten die Bezirksregierung Detmold (80 Prozent), der Kreis Paderborn und der WOL (jeweils 10 Prozent).

Bis zu den 1950er Jahren wurde die Almeaue bei Ringelstein als Flößwiese genutzt. Dazu wurde der Fluss vor 150 Jahren teilweise begradigt, das Abflussprofil vergrößert und Gräben und Wehranlagen eingerichtet. Damit wollte man genau steuern, wann die Wiesen überflutet wurden – also vor der Ernte zur Steigerung des Graswuchses. Die Folge: Der Fluss hat sich tief in den Grund gegraben und kann sich nicht ausdehnen. Besonders gefährlich ist dies bei Hochwasser, da das Wasser schnell in dem großen Gerinne und nicht in den Auen verlangsamt abfließt. Das kann dann in den engen Ortslagen zu erhöhten Wasserständen und Überflutungen führen.

Um dies zu ändern, bekommt die Alme bei Ringelstein zusätzliche Schleifen. „Wir beginnen im Osten mit kleinen Bögen und schaffen nach Westen hin größere Bögen“, sagte Elmar Schniedermeier. Der Diplom-Ingenieur des WOL betreut als Projektingenieur die Arbeiten.

Nach der Renaturierung ist die Alme bei Ringelstein auf einer Strecke von 900 Metern um 600 Meter gewachsen. Das bedeutet mehr Lebensraum für Tiere – beispielsweise für Fische wie die Äsche. Außerdem kann sich der Fluss wieder dynamisch ausdehnen, die Aue wird befeuchtet und an manchen Stellen sumpfig - ein optimaler Lebensraum für Ringelnattern und Frösche.

Für die Almeschleifen wird ein Teil des Pappelwaldes gerodet und es entsteht eine offene Auenlandschaft. „Wir haben hier Hybridpappeln, also kein einheimisches Gewächs“, erklärte Schniedermeier. Die Pappeln und weitere Erlen bekommt die Natur dann als Totholz zurück.

Die toten Zweige, Äste, Wurzelstücke und Baumstämme geben dem Ufer und dem Flussbett Struktur und Tieren Lebensraum. „Beispielsweise Fische nutzen das Totholz als Laichplätze oder als Schutz bei starker Strömung und ernähren sich von dem am Holz sitzenden Kleintieren“, erklärte Schniedermeier. Ein anderes Beispiel ist die Köcherfiege. Sie legt ihre Eier im fließenden Wasser ab, wo sie an überragendem Holz hängen bleiben. Die Larven ernähren sich an der Oberfläche des Holzes und verpuppen sich dort. Mit den Fischen und Kleintieren kommen dann auch Vögel wie der Schwarzstorch.

Die Renaturierung geschieht nach dem Strahlursprung-Prinzip. „Das bedeutet, dass die Renaturierung nur an bestimmten Stellen vorgenommen wird. Diese wiederum „strahlen“ positiv auf die übrigen Bereiche“, erklärt Schniedermeier.

Mit einer Bürgerversammlung informierte der Wasserverband Obere Lippe im Sommer über die Renaturierung der Alme. 40 Interessierte waren gekommen. „Es ist wichtig, die Bevölkerung einzubeziehen und mitzunehmen. Am besten gelingt dies, wenn Heimatpflege und Naturschutz miteinander verknüpft werden“, betonte Landrat Müller.
Mitgenommen werden soll die Bevölkerung auch über eine Informationstafel unterhalb der Almebrücke am Eichenweg. Dort soll über Blocksteine ein Wasserzugang entstehen. „Die Alme soll für die Menschen erlebbar werden. Sie wollen das Wasser fühlen können“, sagte Projektleiter Schniedermeier.

Schon heute schätzen viele Einheimische und Touristen die Almelandschaft. Nicht umsonst gilt der Alme-Radweg als einer der schönsten Radrouten in Nordrhein-Westfalen und auch der Wanderweg Sintfelder Höhenweg erfreut sich großer Beliebtheit.

In einem zweiten Bauabschnitt sollen weitere 1,5 Kilometer der Alme bei Ringelstein renaturiert werden. Die Arbeiten sind für das Jahr 2019 geplant.

Für Fragen steht Projektleiter Elmar Schniedermeier telefonisch unter (02951) 9 33 90 -18 oder per E-Mail unter schniedermeier@wol-nrw.de zur Verfügung.


Die Alme ist das größte Fließgewässer in der Unterhaltung des WOL und der einzige Karstfluss in NRW. In den vergangenen Jahren wurde bereits viel für die naturnahe Entwicklung der Alme getan:

Die Alme ist das größte Fließgewässer in der Unterhaltung des WOL und der einzige Karstfluss in NRW. In den vergangenen Jahren wurde bereits viel für die naturnahe Entwicklung der Alme getan:

• 2001 wurde in der Nähe von Alfen der Uferverbau entfernt, damit sich der Fluss wieder dynamisch bewegen kann.
• Zwischen 2003 und 2010 wurde in Zusammenarbeit mit der Unteren Wasserbehörde, der Stadt Büren und den Wasserrechtsbesitzern an fünf Wehranlagen die ökologische Durchgängigkeit hergestellt.
• 2003 wurde bereits mit Zustimmung des Haus Büren’schen Fonds der Uferverbau im Bereich der Pappelwälder zwischen Siddinghausen und Ringelstein entnommen.
• 2011 wurde die Maßnahme entlang der Wiesenflächen und auch auf Flächen der Stadt Büren fortgesetzt.
• 2014 erfolgte die Umsetzung des Hochwasserschutzprojektes in der Kernstadt Büren in Kooperation mit der Stadt.
• 2015 wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Paderborn auf ca. drei Kilometern der Uferverbau entnommen.
• 2016 wurde die Alme auf einer Länge von 500 Metern umfangreich im Bereich der Kleingartenanlage Balhorner Feld renaturiert. Die Flächen wurden von der Stadt Paderborn bereitgestellt.
• Ab Oktober 2017 soll eine weitere Maßnahme (Gerinneaufweitung) am Unterlauf bei Schloß Neuhaus umgesetzt werden. Die Flächen werden ebenfalls von der Stadt Paderborn bereitgestellt.

Ab Oktober 2017 soll eine weitere Maßnahme (Gerinneaufweitung) am Unterlauf bei Schloß Neuhaus umgesetzt werden. Die Flächen werden ebenfalls von der Stadt Paderborn bereitgestellt.

 
 
 

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