05. Februar 2018

„Ein mahnendes Werk gegen die Verharmlosung des Rechtsradikalismus“

Die Graphic Novel „Drei Steine“: Ausstellung mit Originalzeichnungen noch bis zum 29. April im Sonderausstellungsraum der Wewelsburg

Mahnendes Werk gegen die Verharmlosung des Rechtsradikalismus: (von links nach rechts) Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg, Autor und Illustrator Nils Oskamp, Vinzenz Heggen, stellvertetender Landrat des Kreises Paderborn  bei der Ausstellungseröffnung „Drei Steine“ 
Mahnendes Werk gegen die Verharmlosung des Rechtsradikalismus: (von links nach rechts) Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg, Autor und Illustrator Nils Oskamp, Vinzenz Heggen, stellvertetender Landrat des Kreises Paderborn bei der Ausstellungseröffnung „Drei Steine“

„Drei Steine“ ist die einzige authentische Geschichte in Deutschland eines Opfers rechter Gewalt. Nils Oskamp hat sich seine Erlebnisse von der Seele gezeichnet. Entstanden ist daraus die Graphic Novel „Drei Steine“, in der Oskamp von seinen Konflikten mit der Neonazi-Szene in Dortmund-Dorstfeld Anfang der 80er-Jahre berichtet. Es war eine Auseinandersetzung, die ihn fast das Leben gekostet hätte. Originalseiten, Studien, Storyboards und Videoclips des Künstlers werden in einer Ausstellung gezeigt, die noch bis zum 29. April im Sonderausstellungsraum der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg zu sehen ist. Der Zugang zur Ausstellung „Drei Steine“ erfolgt durch die Gedenkstätte. Der Eintritt ist frei.

„Drei Steine“ „ist ein beeindruckendes und mahnendes Werk gegen die Verharmlosung des Rechtsradikalismus“, sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Paderborn, Vinzenz Heggen, bei der Eröffnung. Die Ausstellung wolle dazu motivieren, sich mit der eigenen Rolle in der heutigen Gesellschaft auseinanderzusetzen: Wo stehe ich selbst in dieser Geschichte? Welche Optionen habe ich, um Zivilcourage zu zeigen, ein Zeichen gegen Rechts zu setzen?

 
Die Ausstellung „Drei Steine“ ist noch bis zum 29. April in der Wewelsburg zu sehen (Foto: © Kreismuseum Wewelsburg) 
Die Ausstellung „Drei Steine“ ist noch bis zum 29. April in der Wewelsburg zu sehen (Foto: © Kreismuseum Wewelsburg)

Dortmund Anfang der 1980er-Jahre: Wegen der hohen Arbeitslosigkeit durch den Niedergang von Kohle und Stahl hatten die Neonazis leichtes Spiel, sagt Nils Oskamp. Als ein Mitschüler in der Schulklasse den Holocaust verleugnet und weitere Nazi-Parolen propagiert, lehnt der heutige Autor und Illustrator dagegen auf und sagt ihm und seinen Mitschülern klar seine Meinung. Dadurch macht er sich zur Zielscheibe der örtlichen Neonazis. Es beginnt ein Kampf um das nackte Überleben. Nils Oskamp zeigt in eindringlichen Bildern, wie die Lehrer und die Polizei die Bedrohung nicht ernst nehmen und auch die Familie die Gefahr nicht erkennt. Mehrfach wird er von Neonazis krankenhausreif geschlagen. Die Spirale der Gewalt eskaliert und gipfelt in zwei Mordanschlägen. Die jugendlichen Schläger der Neonazis wurden von „Alten Kameraden“ angeworben und indoktriniert. „Die damals etablierten Seilschaften sind weiterhin aktiv und machen mit dem rechtsextremen Terror, den sie verbreiten, heute noch Schlagzeilen“, so Oskamp.

„Dem Kreis Paderborn ist es seit vielen Jahren ein besonderes Anliegen, sich in Wewelsburg aufgrund seiner historischen Bedeutung mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen und ein wachsames Auge gegen rechtsextreme Tendenzen zu haben. Die vielfältigen Projekte und Veranstaltungen in der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg gegen Rechtsextremismus und für Demokratie zeugen davon“, betont Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg. Seit dem vergangenen Jahr werde mit Unterstützung des Landes NRW in dem Projekt NRWeltoffen auch ein kommunales Handlungskonzept gegen Rechtsextremismus und Rassismus erarbeitet.

Nils Oskamp ist in Dortmund aufgewachsen und studierte im Ruhrgebiet Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Illustration. In Hamburg absolvierte er erfolgreich ein Trickfilmstudium und arbeitet dort als Illustrator für Werbung und Zeitschriften. Mit der Arbeit an „Drei Steine“ begann er vor ein paar Jahren als Gastkünstler in der französischen Comic-Hauptstadt Angoulême. Die Wanderausstellung mit den Originalzeichnungen wurde auf dem Comic Salon Erlangen erstmals präsentiert. Der Autor hat inzwischen über 70 Lesungen auch an vielen Schulen vor über 8.000 Zuschauern gehalten.

Hintergrund:
Der Titel „Drei Steine“ bezieht sich auf die jüdische Tradition, Steine zum Gedenken auf Gräbern niederzulegen. In der Geschichte von Nils Oskamp kommt den drei Steinen, die er von einem jüdischen Friedhof aufnahm, eine symbolische Bedeutung zu: Mit dem ersten Stein verteidigt er sich bei einem Angriff durch Neonazis. Den zweiten Stein nimmt er als Waffe auf, setzt ihn jedoch nicht ein und verweigert sich so der anziehenden Spirale der Gewalt. Für Oskamp ist dabei das Gebot „Du sollst nicht töten“ zentral. Den dritten Stein legt er im Epilog der Geschichte in der Gedenkstätte Yad Vashem ab – und gibt ihm so seine Bedeutung der Erinnerung zurück.

Quelle: www.dreisteine.com.

Die Ausstellung „Drei Steine“ ist noch bis zum 29. April in der Wewelsburg zu sehen (Foto: © Kreismuseum Wewelsburg) 
Die Ausstellung „Drei Steine“ ist noch bis zum 29. April in der Wewelsburg zu sehen (Foto: © Kreismuseum Wewelsburg)
 
 
 
 

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