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Kreishaus
Wewelsburg

10. Januar 2018

Handeln statt wegsehen: Mit Schutzkonzepten in Schulen Kinder vor sexuellem Missbrauch schützen

Von 2.504 Menschen zwischen 14 und 90 Jahren gaben 12,6 Prozent bei einer Befragung an, von sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend betroffen gewesen zu sein (Frauen: 15,2 Prozent; Männer: 9,6 Prozent, Quelle: Häuser-Studie 2011). Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten 10 bis 20 Mal höher als die Zahl der Strafanzeigen.

Schutzkonzepte gegen Kindesmissbrauch 
Schule als Schutzraum: Vinzenz Heggen, stellvertretender Landrat des Kreises Paderborn, Rita Berens, Leitende Regierungsschuldirektorin der Bezirksregierung Detmold, Kirsten Zünkler, Regionale Schulberatungsstelle des Kreises Paderborn, Andreas Neuhaus, stellvertretender Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle bei der Fachtagung „Kein Raum für Missbrauch“

Die Dunkelziffer ist nach Einschätzung von Experten 10 bis 20 Mal höher als die Zahl der Strafanzeigen. Sexueller Kindesmissbrauch in Deutschland ist damit etwa so verbreitet wie Diabetes. Betroffen sind Kinder jeden Alters. Die größte Opfergruppe sind Kinder im Grundschulalter. Werner Meyer-Deters, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft zur Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und –vernachlässigung, nannte diese aufrüttelnden und kaum fassbaren Fakten im Rahmen der Fachtagung „Kein Raum für Missbrauch“ im Liborianum in Paderborn. Die Regionale Schulberatungsstelle des Kreises Paderborn hatte Schulleitungen, Schulsozialarbeiter sowie Krisenteammitglieder von Einrichtungen eingeladen, „um zu informieren und gemeinsam Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt auf den Weg zu bringen“, so Andreas Neuhaus, stellvertretende Leiter der Beratungsstelle, in seiner Begrüßung der 120 Gäste und Netzwerkpartner.

"Die Angst der Opfer ist groß, keinen Glauben zu finden"

„Missbrauch darf hier bei uns keinen Raum finden. Wir müssen gemeinsam schützende Strukturen entwickeln und anwenden“, betonte der stellvertretende Landrat des Kreises Paderborn, Vinzenz Heggen, der auch stellvertretender Vorsitzender des Schul- und Sportausschusses des Kreises Paderborn ist. Heggen dankte der Regionalen Schulberatungsstelle für ihre Initiative, Schulen und Fachkräfte miteinander zu vernetzen und damit wirksame und konkrete Hilfen in Schulen zu etablieren. Lehrkräfte und andere Pädagoginnen und Pädagogen in Schulen hätten die Möglichkeit, Veränderungen ihrer Schülerinnen und Schüler zu bemerken, Gefährdungen und Belastungen zu erkennen und ihnen Unterstützung anzubieten. „Schule hat neben Bildungsauftrag auch einen eigenen Erziehungsauftrag“, bekräftigte die Leitende Regierungsschuldirektorin der Bezirksregierung Detmold, Rita Berens. Teil dieses Erziehungsauftrages sei es, nicht nur Missbrauch in Schule zu verhindern. Schülerinnen und Schüler, die andernorts unter diesen sexuellen Übergriffen litten, müssten gerade in Schulen „ein kompetentes, verstehendes und helfendes Gegenüber finden.“ Denn Missbrauch habe auch Konsequenzen für die Bildungsbiographie. Mädchen und Jungen, die diese Gewalt erlebten trügen ein hohes Risiko für schulischen Misserfolg und in der Folge für berufliches Scheitern.
„Es gibt keine eindeutigen Symptome, die auf Missbrauch hinweisen“, warnte Meyer-Deters zu Beginn. Alle Welt wolle diese Signale, und gäbe es sie, „würden die Missbrauchten versuchen, sie zu vermeiden“, so Meyer-Deters. Scham und Schuldgefühle, Einsamkeit und Sprachlosigkeit, Zerstörung der inneren Sicherheit und des Vertrauens in andere Menschen, das alles seien Folgen für die Opfer. Die Angst sei groß, keinen Glauben zu finden, was mit ein Grund für die hohe Dunkelziffer sei. Es gebe Studien, die zeigten, dass gerade dieses Nichtglaubenwollen die Opfer noch stärker traumatisiere als die Tat selbst. Mit professioneller Hilfe könne Linderung und sogar Heilung gelingen. „Der wichtigste Schritt ist es, den Missbrauch zu stoppen“, so Meyer-Deters.

"Täter sind besonders geschickt darin, ihr Umfeld zu manipulieren"

Die Täter versuchten oft, einen Arbeitsplatz im betreuenden, pädagogischen, medizinischen, seelsorgerischen oder therapeutischen Bereich zu finden. Also überall da, wo sie mit Kindern leicht in Kontakt kommen. „Aber auch hier gibt es keine Kriterien, die eindeutig für eine mögliche Täterschaft sprechen“, betont Meyer-Deters. 84 % der Kindesmissbraucher seien nicht einschlägig vorbestraft. Es seien oft Menschen, die besonders engagiert und geschickt darin seien, ihr Umfeld für sich einzunehmen. In seiner Praxis habe er mal einen Täter befragt, der ihm sagte, dass er nur etwa 16 Prozent seiner kreativen Energie benötige, um das Kind für sich zu gewinnen. Auf die Frage, wofür er die verbleibenden 84 Prozent nutze, habe er geantwortet, „für das Umfeld, damit niemandem etwas auffällt“.

Schule als Schutzraum

Missbrauch hat viele Gesichter: Auch sexuelle Gewalt durch Gleichaltrige gehöre zum Alltag in den Lebenswelten junger Menschen. Die Übergriffe reichten von sexistischen Sprüchen über sexuelle Belästigung im Internet bis zur Vergewaltigung. Und auch sexueller Missbrauch von Kindern durch Jugendliche sei bittere Realität. Das alles könne sich in einem Umfeld entwickeln, welches ihn ermögliche. Und deshalb seien Schutzkonzepte in Schulen so wichtig. Da nahezu alle Kinder und Jugendliche über einen langen Zeitraum diese Einrichtungen besuchten, sei die Chance, dass betroffene Mädchen und Jungen dort Hilfe erhalten können, größer als an jedem anderen Ort.

Kirsten Zünkler von der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises warb für eine Kultur der Achtsamkeit und der Kommunikation. Im Schutzkonzept müsse die Vorgehensweise bei einem Verdachtsfall festgelegt werden. Gemeinsam mit Fachberatungsstellen helfe die Schulberatungsstelle, eine schützende Schulkultur zu entwickeln, Gefährdungspotenziale an den Schulen zu entdecken, verbindliche Beschwerdewege und Netzwerke zu entwickeln. Auch regelmäßige Fortbildungen, z. B. zu Arten von Grenzverletzungen oder auch Täter(innen-Strategien, zählten dazu. Der Anfang ist gemacht.


 
 
 

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