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20. Dezember 2017

Wie sich Feuer anfühlt

Feuerwehrfrauen und -männer üben in Brandsimulationsanlage neben der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren-Ahden

Einsatzübung in der Brandsimulationsanlage (Foto: Rolf Meier, Kreis Paderborn) 
Einsatzübung in der Brandsimulationsanlage (Foto: Rolf Meier, Kreis Paderborn)

In der Kreisfeuerwehrzentrale werden jährlich ca. 60 Feuerwehrfrauen und -männer zu Atemschutzgeräteträgern ausgebildet. Heute steht die „Heiß-Ausbildung“ in der Brandsimulationsanlage neben der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren-Ahden an. „Die Teilnehmer sollen dadurch möglichst gut auf Einsätze im Feuer und mit ihrem Atemschutzgerät vorbereitet werden“, sagt Rudolf Reiling. Er ist einer von 14 Ausbildern für Atemschutz im Kreis Paderborn.

Die Brandsimulationsanlage ist ein 40 Fuß großer Seecontainer aus Stahl. Drei Brandstellen können dort simuliert werden: Ein Herdbrand, ein Brand im Schlafzimmer und ein Treppenbrand. Betrieben wird die Anlage mit Gas. Der Kreis Paderborn hat die Anlage im Jahr 2016 für 264.000 Euro erworben. Sie ersetzt die alte mit Holz befeuerte Anlage (siehe Hintergrund).

Übungs-Szenario heute: Ein Brand im Schlafzimmer. Zwei Atemschutzgeräteträger bilden einen Angriffstrupp. Begleitet werden sie immer von einem Kreisausbilder, der die Übung beobachtet und sie über die mitgeführte Fernbedienung steuert. Einer des Angriffstrupps ist der Truppführer, also das „Auge“ des Teams. Er beobachtet die Umgebung genau und gibt „seinem“ Truppmann Anweisungen.

Der Brandraum zwei ist eingenebelt. Nullsicht. Der Truppführer berührt die erste Tür zum Brandraum eins. Sie ist kalt. Er öffnet sie aus der Deckung heraus. Dahinter ist kein Feuer oder Rauch. Die beiden Männer gehen hinein. Auch die zweite Tür kontrollieren sie. Sie ist heiß. Unter dem Türspalt tritt Rauch aus dem Raum.

„Rauchkühlung“, befiehlt der Truppführer. Die Männer zählen und öffnen auf drei die Tür. Fest in den Händen hält der Truppmann das Hohlstrahlrohr mit dem C-Schlauch. Im Ernstfall ist er die rettende „Leine“, die den Weg aus dem Feuer hinaus weist und sichert.

Die beiden Feuerwehrmänner sind jetzt in einem Schlafzimmer. Dort brennt das Bett. Mit dem Hohlstrahlrohr versucht der Truppführer den Raum zu kühlen und mit dem Wasserdampf den Sauerstoff zu verdrängen, um dadurch das Feuer zu löschen. Sie sollen einen wassersparenden und dynamischen Löschangriff lernen.

Kleinste Fehler können zu Verletzungen oder sogar zum Tod führen

Die Decke des Stahlcontainers hat mittlerweile Temperaturen von 400 Grad Celsius angenommen. Das versprühte Löschwasser nimmt die Wärme auf und verdampft augenblicklich. Aus einem Liter Wasser werden 1700 Liter Wasserdampf. Die Feuerwehrmänner müssen sparsam mit dem Wasser umgehen, sonst entsteht zu viel Wasserdampf, der sie verletzen könnte.

Der Angriffstrupp spürt den heißen Wasserdampf auf ihrer Schutzkleidung. Sie fühlen, wie die Wärme im Anzug ansteigt, aber auch wie gut der Brandschutzanzug sie schützt.

Im Raum ist es dunkel. Überall Rauch. Keine Lampe kann ihn durchdringen. Jetzt sind die Männer auf sich gestellt. „Das ist ein ungewohntes Gefühl. Es ist beängstigend, aber genau das soll trainiert werden“, sagt Ausbilder Reiling.

Der Unterschied zum echten Feuer: Die Temperaturen sind noch höher – bis 1000 Grad Celsius und jeder Fehler kann zu Verletzungen führen oder sogar tödlich sein. In der gesicherten Übungsanlage haben die Feuerwehrmänner jederzeit die Möglichkeit, einen Notausschalter zu drücken. Zusätzlich überwacht ein zweiter Kreisausbilder im Kontrollraum der Brandsimulationsanlage das Geschehen.

Der Angriffstrupp arbeitet sich an den Brandherd heran. Alle Löschversuche verlaufen ohne Erfolg. Die Wärme staut sich immer mehr im Raum. Ein Rauchabzug kann nicht geschaffen werden. Die Temperatur steigt weiter an. Pyrolysegase entstehen. Durch die offene Tür kann weiter Sauerstoff in den Raum nachströmen. Plötzlich kommt es zur gefährlichen Rauchgasdurchzündung, dem „Flash Over“. Der Brand breitet sich schlagartig im ganzen Raum aus.

Der Truppführer erkennt die Gefahr und ordnet den sofortigen Rückzug an. Der Truppmann sichert den Rückzug mit der „Mannschutzbrause“ des Hohlstrahlrohres. Die „Mannschutzbrause“ soll die Feuerwehrmänner vor der direkten Flammeinwirkung schützen.

Vorgeschriebene Belastungsübungen müssen jährlich wiederholt werden

Die Übung ist beendet, das Übungsziel erreicht. Die beiden Feuerwehrmänner haben gelernt, zusammen zu arbeiten. In der Gefahr müssen sie eine Einheit bilden, genau aufeinander hören sich gegenseitig „blind“ vertrauen. „Sie nehmen aber auch mit, dass der Einsatz abgebrochen werden muss, wenn es zu gefährlich wird“, sagt Reiling.

Die Übung fordert die Männer heraus. „Bei einem echten Einsatz treffen viele Faktoren zusammen, alles zusammen macht es schwierig – das Feuer, der Rauch, man sieht nichts, die körperliche und psychische Belastung“, sagt Reiling.

Die Grundausbildung zum Atemschutzgeräteträger umfasst 40 Stunden. Neben der Heiß-Ausbildung in der Brandsimulationsanlage gibt es einen theoretischen Teil. Dabei lernen die Feuerwehrfrauen und –männer unter anderem Einsatzgrundsätze, wie die Atmung funktioniert und das Atmen mit dem Pressluftatmer. Im praktischen Teil testen sie ihre Belastbarkeit in der Atemschutzübungsanlage, einer Art Hindernisparcours.

Nach der Grundausbildung muss jeder Atemschutzgeräteträger jährlich eine vorgeschriebene Belastungsübung in der Atemschutzübungsanlage ablegen, um seinen Status als Atemschutzgeräteträger zu behalten.

Rund 950 fertig ausgebildete Atemschutzgeräteträger legten in 2017 ihre Belastungsübung in der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren-Ahden ab. Mit der neuen Brandsimulationsanlage haben sie zukünftig auch die Möglichkeit sich in der taktischen Heiß-Ausbildung weiterzubilden und darin ihre jährlich vorgeschriebene Einsatzübung zu absolvieren.

Hintergrund:
Bis November 2015 nutzen die Feuerwehrmänner und –frauen eine mit Holz befeuerte Brandsimulationsanlage in Büren-Stöckerbusch. Mit der Einrichtung einer Notunterkunft für Flüchtlinge, musste der Kreis Paderborn das Gelände räumen.


Es ergab sich der Standort der Kreisfeuerwehrzentrale in Büren-Ahden, wo auch die theoretische und praktische Ausbildung in der Atemschutzgeräteübungsstrecke stattfindet, es ausreichend Platz zur Vor- und Nachbesprechung und für das An- und Ablegen der Einsatzkleidung gibt.
Mit dem neuen Standort wurde die holzbefeuerte Anlage durch eine moderne und immissionsarme Anlage ersetzt.

 
 
 

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