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Kreishaus
Wewelsburg

04. Februar 2019

Raubkinder: Von der SS nach Deutschland verschleppt

Autorenlesung mit der Journalistin Dr. Dorothee Schmitz-Köster am Donnerstag, 7. Februar um 19 Uhr im Filmraum der Wewelsburg

Kostenlose Autorenlesung in der Wewelsburg. Nachgezeichnet wird der Weg von Klaus B., der 193 von den Nationalsozialisten von Polen nach Deutschland verschleppt wurde 
Die Journalistin Dr. Dorothee Schmitz-löste liest aus "Raubkind - von der SS nach Deutschland verschleppt", ©Tristan Vankann

Klaus B. ist Mitte siebzig, als sein Leben aus den Fugen gerät. Die Journalistin Dorothee Schmitz-Köster erzählt ihm von ihrem Verdacht, dass er eines der so genannten Raubkinder sein könnte. Gemeinsam recherchieren die beiden seine wahre Geschichte und kommen der verloren geglaubten Familie immer näher. Klaus B. erfährt, dass er 1943 als Kind seiner Familie in Polen entrissen wurde. Vermutlich geraubt von der SS, die ihn mit Hilfe des Vereins „Lebensborn“ bei deutschen Pflegeeltern unterbrachte.

Geraubten Kindern eine Stimme geben

Am Donnerstag, den 7. Februar bringt Dorothee Schmitz-Köster Licht in ein immer noch dunkles Stück deutscher Zeitgeschichte und gibt einem der geraubten Kinder eine Stimme. Sie erzählt bewegend und aus erster Reihe von der Suche nach dessen Wurzeln und dem Zusammentreffen mit seiner Familie, die ihn seit über 70 Jahren vermisst. Die Autorenlesung „Raubkind – von der SS nach Deutschland verschleppt“ beginnt um 19 Uhr im Filmraum derWewelsburg. Der Zugang erfolgt durch die Erinnerungs- und Gedenkstätte. Der Eintritt ist frei.

Viele wissen bis heute nichts von ihrem Schicksal

Klaus B. teilt sein Schicksal mit Tausenden von Kindern aus Polen und anderen osteuropäischen Staaten. Sie wurden von Nationalsozialisten ausgewählt, ihren Familien entrissen und zur „Germanisierung“ nach Deutschland verschleppt. Dort bekamen sie eine neue Identität. Nur wenigen war eine vollständige Aufklärung vergönnt. Viele wissen bis heute nichts von ihrem Schicksal und ihrer eigentlichen Familie. Klaus B. hatte Glück und kann seine Schwester wieder in die Arme schließen.

Dr. phil. Dorothee Schmitz-Köster studierte Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften und ist seit 1985 freiberufliche Journalistin und Autorin. Zu ihren Werken zählen zahlreiche erfolgreiche Bücher zur deutschen Zeitgeschichte, insbesondere zur NS-Geschichte und zum »Lebensborn«.

 
 
 

Groß, blond und blauäugig sollten sie sein. Hitlers Idealbild eines Menschen war der "Arier". Unterstützt wurde Hitler in seinem Rassenwahn vor allem durch den Reichsführer der Schutzstaffel (SS), Heinrich Himmler. Dieser gründete den Verein Lebensborn. Ziel war es, die Geburtenrate „arischer“ Frauen zu erhöhen. In den Heimen kamen weniger Kinder zur Welt als erhofft. Also ordnete Himmler an, Kinder aus dem Ausland in deutsche Lebensbornheime zu bringen und ihre wahre Identität zu verschleiern. Der Name leitet sich aus dem alten deutschen Wort „Born“ für Brunnen oder auch Quelle ab. Für die Nationalsozialisten war der Verein als eine Art Lebensbrunnen oder Lebensquelle für den gewünschten Nachwuchs.

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