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Kreishaus
Wewelsburg

24. Mai 2018

Der Tod lauert in der Tiefe

Landrat Manfred Müller warnt vor Gefahren in Baggerseen

Still ruht hier beispielsweise auch der Habichtsee: Die Idylle trügt – unter der Oberfläche von Baggerseen lauern tödliche Gefahren. In 2013 ertrank hier ein 50-Jähriger. Das Bild ist eine Fotomontage. 
Still ruht hier beispielsweise auch der Habichtsee: Die Idylle trügt – unter der Oberfläche von Baggerseen lauern tödliche Gefahren. In 2013 ertrank hier ein 50-Jähriger.

„Plötzlich ging der Mann unter“, hieß es Ende April in einem Polizeibericht aus Neuss. Andere Mitschwimmer versuchten noch, den 18-Jährigen im Baggersee zu finden. Doch zu spät: Für den jungen Mann endete der Schwimmausflug tödlich. Auch wenn Baggerseen noch so einladend und harmlos aussehen: Der Tod lauert in der Tiefe. Jedes Jahr neu unterschätzen Menschen die steil abfallenden Ufer, plötzliche Untiefen sowie eiskalte Wasserschichten. Wer in dem trüben Wasser untergeht, hat nur eine kleine Chance, rechtzeitig gefunden zu werden. Für das kommende Wochenende prognostizieren die Meteorologen bestes Badewetter. Landrat Manfred Müller warnt auch in diesem Jahr eindringlich vor den Gefahren in Baggerseen.

Da die Seen eigentlich Baustellen sind, verbergen sich unter der Wasseroberfläche mitunter alte Stromkabel oder auch Betonteile, die den Schwimmer zusätzlich gefährden. Der Kreis Paderborn stellt auch in diesem Jahr mehrsprachige Warnhinweise (albanisch, arabisch, englisch, französisch, serbisch und persisch) in einfacher Sprache zur Verfügung. Denn besonders gefährdet sind auch neu zugewanderte Menschen, weil viele von ihnen weder schwimmen noch die Gefahren der hiesigen Gewässer einschätzen können. Der in deutscher Sprache verfasste Handzettel ist dort ebenfalls hinterlegt und kann für weitere Übersetzungen genutzt werden.

Gefährlich sind auch eiskalte Unterströmungen und die fehlende Sichttiefe. Schwimmer können leicht in Panik geraten, wenn sie plötzlich in kalte Wasserschichten geraten oder keinen Grund mehr unter den Füßen spüren. Das „mal eben in den See springen“ wird vielen zum Verhängnis, weil die Kräfte schwinden oder Krämpfe bzw. Herz-Kreislauf-Beschwerden sich einstellen.

Wenn ein völlig verschwitzter und „aufgeheizter“ Mensch ins Wasser springt, setzt ein im Menschen angelegter Reflexmechanismus ein. Im ungünstigen Fall kommt es zu einer Bewusstlosigkeit, die z.B. durch Herz-Rhythmus-Störungen und Gefäßsteuerungsvorgänge im Körper entstehen. Mediziner sprechen von einem atypischen Ertrinken oder auch dem „leisen Tod“. Die Menschen gehen ohne Kampf unter. Deshalb gilt: Langsam ins Wasser steigen, sich an das Wasser „gewöhnen“. Auch sollte niemand mit vollem Magen geschweige denn unter Alkoholeinfluss sich in die Fluten begeben.

„Sowohl im Wasser wie auch in den Uferzonen kann man sich leicht kleine, oft unbemerkte Verletzungen zuziehen. Die sind oft schon wieder vergessen, wenn plötzlich Fieber und Schwächegefühl, vielleicht auch starke Kopf- und Gliederschmerzen oder Schwindel auftreten“, warnt der Leiter des Paderborner Kreisgesundheitsamtes, Uwe Litwiakow. Als leichte Sommergrippe verkannt, könne sich dahinter eine Sepsis, also eine Blutvergiftung im ganzen Körper verbergen, die durch Krankheitserreger ausgelöst wurde, die über die kleine Wunde vom Baggersee in den Körper gelangten. „Erfolgt keine sofortige Behandlung kann der Patient binnen Stunden versterben. Also Vorsicht am Baggersee!“, bekräftigt Litwiakow.

Geht der Betroffene unter, haben die Rettungskräfte aufgrund der mangelnden Sichttiefe nur ein kleines Zeitfenster, um den verunglückten Badenden überhaupt zu finden und zu retten. Wer einen Badeunfall beobachtet, sollte umgehend den Notruf betätigen, also die 112 wählen. Im Kreis Paderborn sind alle Baggerseen oder sonstigen Gewässer, die erfahrungsgemäß im Sommer aufgesucht werden, mit Schildern versehen. Dort sind Orts- und Kennziffern aufgedruckt. Bei der Meldung des Notfalls an die Kreisleitstelle über die 112 sollte diese Kennziffer genannt werden. Sie hilft den Rettungseinsatzkräften, den Unglücksort schneller zu finden.

Handzettel und Infos zu den Gefahren in Baggerseen

 
 
 

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