Worte des Gedenkens von Fritz-Wilhelm Pahl,
Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer
Ostwestfalen zu Bielefeld,
anlässlich der
Gedenkfeier zum Volkstrauertag
auf dem Ehrenfriedhof in Böddeken
am 17. November 2002, 15.30 Uhr
Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer
Ostwestfalen zu Bielefeld,
anlässlich der
Gedenkfeier zum Volkstrauertag
auf dem Ehrenfriedhof in Böddeken
am 17. November 2002, 15.30 Uhr
Sehr geehrter Herr Dr. Wansleben, meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch mehr als 80 Jahre nach Ende des Ersten und knapp 60 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind zahlreiche Wunden noch nicht verheilt. Am heutigen Volkstrauertag werden wir still, schauen zurück und halten inne. Und wir selbst werden unmittelbar von dem berührt, was wir fühlen und denken. Erst durch das Erfahren fremden Sterbens kommt der Mensch zum Bewusstsein seiner eigenen Sterblichkeit.
Wenn dem so ist, treten in diesen zumeist tristen Novembertagen und speziell am heutigen Tag all diejenigen vor unser inneres Auge, die bereits verstorben sind: Wegbegleiter, Angehörige, Freunde, und nicht zuletzt jene Millionen Menschen, die im vergangenen Jahrhundert in zwei Weltkriegen beziehungsweise als Opfer des stalinistischen oder nationalsozialistischen Terrors ihr Leben lassen mussten.
Heute erinnern wir außerdem an die Millionen Opfer von Vertreibung und Flucht, an die Hunderttausende, die dabei ihr Leben verloren haben. Wir vergessen dabei aber auch nicht die leider ganz aktuellen Opfer der blutigen Auseinandersetzungen in Israel und die Opfer von barbarischen Terroranschlägen wie jüngst in Bau oder auch die Geiselnahme in Moskau.
Vor etwas mehr als einem Jahr, genau am 11. September 2001, erlebten wir die schreckliche Terrorattacke auf das Welthandelszentrum in New York. Dieser Angriff hat nicht nur die USA ins Mark getroffen, sondern die ganze Welt erschüttert und verändert.
Wir mögen uns fragen, wie wir uns angesichts dieser apokalyptischen Szenarien vor Pessimismus und Resignation, vor Hass und Rachegefühlen schützen können. Die Antwort ist ganz einfach und liegt viel näher, als viele glauben: Den Bildern von Tod und Zerstörung können und müssen wir Bilder des Lebens und der Hoffnung entgegenstellen: Bilder von mutigen russischen Müttern, die nach Tschetschenien fuhren, um ihre Söhne aus dem Krieg zu holen. Bilder von den Witwen des 11. September und ihren Kindern, mit denen etwas vom Vater weiterlebt, den sie verloren, noch bevor sie geboren wurden. Leid und Hoffnung, Trauer und Mut kommen in diesen Bildern zusammen.
Die Opfer derartiger Schreckenstaten und die Gefallenen aller Nationen haben ein Anrecht auf Trauer und Erinnerung, auf das Gedenken der Nachwelt und auf ein würdiges Grab. Deshalb bedanke ich mich an dieser Stelle ausdrücklich beim Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge für seine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Dabei handelt es sich im besten Sinne des Wortes um Friedensarbeit.
Die Friedhöfe der Gefallenen sind Mahnmale und Gedenkstätten in einem. Sie erinnern nicht nur an Leid und Unglück der Vergangenheit, sondern mahnen uns Lebende, alles zu tun, um Gewalt und Kriege zu verhindern. Soldatengräber sind, wie es Albert Schweitzer treffend formulierte, „die großen Prediger des Friedens".
Meine sehr verehrten Damen und Herren, an einem Tag wie heute müssen wir uns fragen lassen, ob angesichts der Millionen Menschen, die ihr Leben in Kriegen verloren haben, manches Klagen nicht kleinlich klingt. Deshalb sollte der Volkstrauertag auch Anlass zur Wiedergewinnung der richtigen Maßstäbe sein. Diktatur, Terror und Krieg mit ihren verheerenden Folgen mahnen uns alle daran, dass Freiheit und Frieden nicht selbstverständlich sind - und erst recht nicht zum Nulltarif.
Im Mai des Jahres 1942 verabschiedete sich mein Vater von meiner Mutter in Delbrück - ich war gerade getauft worden - und kehrte zu seiner in Russland kämpfenden Einheit zurück. Er ging freiwillig, ohne jeden Zwang, hatte er doch durch Teilnahme am ersten Weltkrieg, in den er als 18-jähriger Abiturient eintrat und aus dem er als Leutnant unversehrt zurückkehrte, seine Pflicht erfüllt. Auch war er in seinem Unternehmen unabkömmlich, das - wie viele andere Betriebe - in die Kriegswirtschaft eingebunden war. Mit den Worten "Ich kann die Verteidigung meiner Heimat meinen Arbeitern nicht allein überlassen" verabschiedete er sich dennoch in jenem Mai 1942 von meiner Mutter in Delbrück. Nach der Schlacht um Stalingrad geriet er in russische Gefangenschaft und wurde dort erschossen.
Es hat lange gedauert, bis ich die Tragweite der Entscheidung meines Vaters annähernd verstanden habe und nachvollziehen konnte.
Mit dem Beispiel meines Vaters möchte ich meine Generation, die wir im Krieg geboren und im Frieden aufwachsen und immer noch leben dürfen, dazu auffordern, die Erinnerung an die Generation unserer Eltern bei der Generation unserer Kinder wach zu halten. Wir müssen eine Brücke bauen von der Vergangenheit in die Zukunft. Tragende Fundamente dieser Brücke bilden die Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft, dass ein Volk auf Dauer nur dann eigenständig lebensfähig bleibt, wenn denn jeder Einzelne sich für die Gemeinschaft verantwortlich fühlt und bereit ist, seinen Beitrag zu leisten.
Ein weiteres Fundament ist die Erkenntnis, dass Friede vornehmlich in guter Nachbarschaft begründet wird.
Wie erfreulich anders ist die Lage unserer Bundesrepublik im Vergleich zur Situation des Deutschen Reiches in den Jahren 1914 und 1939. Während damals das Wort vom Erbfeind die politische Diskussion bestimmte, lauten heute Freundschaft und Partnerschaft die Vokabeln des politischen Miteinanders.
Das spiegelt sich beispielsweise in offenen Grenzen wider und in selbstverständlich gewordenen Begegnungen während ausländischer Urlaubsreisen. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde, wie die gute Zusammenarbeit der Partnerländer in der Europäischen Union zeigt.
Zu diesem Weg des europäischen Friedens gibt es keine Alternative. Die geplante Erweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004 gen Osten ist ein weiterer Schritt auf dem weg zum Zusammenwachsen und Miteinander in Europa.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, der Volkstrauertag ist Gedenktag an den Krieg und Mahntag für den Frieden zugleich. Außerdem ist er auch ein Tag der Hoffnung. Der Hoffnung darauf, dass sich eine furchtbare Vergangenheit in der deutschen und europäischen Geschichte nie wiederholen möge. Darin begründet liegt auch Zuversicht, und zwar die Zuversicht zur Bewältigung aller derzeit anstehenden Probleme.
Dabei sollten wir uns ein Beispiel an der Nachkriegsgeneration nehmen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde der größte Trümmerhaufen der Geschichte mit Mut und Tatkraft beiseite geräumt. Dabei wurden Kräfte frei gesetzt, die von der Welt als Wunder bestaunt wurden, als Wirtschaftswunder. Allerdings war dieser wirtschaftliche Aufschwung kein Wunder, sondern das Ergebnis harter Arbeit, geprägt von Einsatzfreude und dem gemeinsamen Willen, es zu schaffen.
Mancher, der heute allzu leicht und allzu gern in Trübsal verfällt, sollte an diese Zeit denken. Dann erkennt er vielleicht, dass sich die Probleme von heute gegen die Probleme von damals eher sehr klein ausnehmen. Wir werden sie lösen, wenn wir das Gemeinsame in den Vordergrund stellen. Wenn jeder einzelne sich seiner Pflicht bewusst wird und seinen eigenen Beitrag zu leisten bereit ist. Wir brauchen eine Regierung, die das Notwendige zu tun aufzeigt, statt den Neid zu schüren und Klassenkampf zu predigen.
Wenn wir auch heute mit Tatkraft und Mut ans Werk gehen, gelingt es uns mit Sicherheit, die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, die schon bislang durch die Globalisierung auf uns zugekommen sind und in Zukunft noch auf uns zukommen werden.
Mit der von einigen proklamierten Spaßgesellschaft gelingt das sicherlich nicht. Eine Gesellschaft, in der Spaß und Feiern das wichtigste wäre, käme sicherlich wirtschaftlich nicht zu Rande, und sie hätte Probleme mit dem Trauern. Wer aber Trauer aus dem Denken verdrängen wollte, der würde zugleich auch wesentliche Züge menschlicher Existenz verdrängen.
Wer nur noch das Schöne und Glänzende sehen wollte und vor Trauer regelrecht flieht, der will sich selbst nicht begegnen.
Wer fordert, das Bedrückende der Kriege, also ihre vermeidbaren Opfer, leiden und den Tod unzähliger Menschen einfach zu vergessen, der übt sich nicht als Mensch. Der will nicht nachdenken, umdenken und Mitwirken an der Verringerung von Unfrieden, Leid und Bedrängnis, Bewältigte Trauerarbeit bietet nämlich all diese Möglichkeiten.
Meine Damen und Herren, der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern zugleich ein Tag des Nachdenkens für und über die Zukunft. Von diesem Tag des Erinnerns und Nachdenkens geht eine Wirkung aus. Sie soll und kann dazu beitragen, dass dieses Jahrhundert trotz der leider aktuellen weltweiten Terrorattacken und der damit verbundenen Ängste ein friedvolleres Jahrhundert wird als das vergangene. Dieses Ziel sollten wir alle anstreben und uns dafür mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln einsetzen.
Wenn dem so ist, treten in diesen zumeist tristen Novembertagen und speziell am heutigen Tag all diejenigen vor unser inneres Auge, die bereits verstorben sind: Wegbegleiter, Angehörige, Freunde, und nicht zuletzt jene Millionen Menschen, die im vergangenen Jahrhundert in zwei Weltkriegen beziehungsweise als Opfer des stalinistischen oder nationalsozialistischen Terrors ihr Leben lassen mussten.
Heute erinnern wir außerdem an die Millionen Opfer von Vertreibung und Flucht, an die Hunderttausende, die dabei ihr Leben verloren haben. Wir vergessen dabei aber auch nicht die leider ganz aktuellen Opfer der blutigen Auseinandersetzungen in Israel und die Opfer von barbarischen Terroranschlägen wie jüngst in Bau oder auch die Geiselnahme in Moskau.
Vor etwas mehr als einem Jahr, genau am 11. September 2001, erlebten wir die schreckliche Terrorattacke auf das Welthandelszentrum in New York. Dieser Angriff hat nicht nur die USA ins Mark getroffen, sondern die ganze Welt erschüttert und verändert.
Wir mögen uns fragen, wie wir uns angesichts dieser apokalyptischen Szenarien vor Pessimismus und Resignation, vor Hass und Rachegefühlen schützen können. Die Antwort ist ganz einfach und liegt viel näher, als viele glauben: Den Bildern von Tod und Zerstörung können und müssen wir Bilder des Lebens und der Hoffnung entgegenstellen: Bilder von mutigen russischen Müttern, die nach Tschetschenien fuhren, um ihre Söhne aus dem Krieg zu holen. Bilder von den Witwen des 11. September und ihren Kindern, mit denen etwas vom Vater weiterlebt, den sie verloren, noch bevor sie geboren wurden. Leid und Hoffnung, Trauer und Mut kommen in diesen Bildern zusammen.
Die Opfer derartiger Schreckenstaten und die Gefallenen aller Nationen haben ein Anrecht auf Trauer und Erinnerung, auf das Gedenken der Nachwelt und auf ein würdiges Grab. Deshalb bedanke ich mich an dieser Stelle ausdrücklich beim Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge für seine wichtige und verantwortungsvolle Aufgabe. Dabei handelt es sich im besten Sinne des Wortes um Friedensarbeit.
Die Friedhöfe der Gefallenen sind Mahnmale und Gedenkstätten in einem. Sie erinnern nicht nur an Leid und Unglück der Vergangenheit, sondern mahnen uns Lebende, alles zu tun, um Gewalt und Kriege zu verhindern. Soldatengräber sind, wie es Albert Schweitzer treffend formulierte, „die großen Prediger des Friedens".
Meine sehr verehrten Damen und Herren, an einem Tag wie heute müssen wir uns fragen lassen, ob angesichts der Millionen Menschen, die ihr Leben in Kriegen verloren haben, manches Klagen nicht kleinlich klingt. Deshalb sollte der Volkstrauertag auch Anlass zur Wiedergewinnung der richtigen Maßstäbe sein. Diktatur, Terror und Krieg mit ihren verheerenden Folgen mahnen uns alle daran, dass Freiheit und Frieden nicht selbstverständlich sind - und erst recht nicht zum Nulltarif.
Im Mai des Jahres 1942 verabschiedete sich mein Vater von meiner Mutter in Delbrück - ich war gerade getauft worden - und kehrte zu seiner in Russland kämpfenden Einheit zurück. Er ging freiwillig, ohne jeden Zwang, hatte er doch durch Teilnahme am ersten Weltkrieg, in den er als 18-jähriger Abiturient eintrat und aus dem er als Leutnant unversehrt zurückkehrte, seine Pflicht erfüllt. Auch war er in seinem Unternehmen unabkömmlich, das - wie viele andere Betriebe - in die Kriegswirtschaft eingebunden war. Mit den Worten "Ich kann die Verteidigung meiner Heimat meinen Arbeitern nicht allein überlassen" verabschiedete er sich dennoch in jenem Mai 1942 von meiner Mutter in Delbrück. Nach der Schlacht um Stalingrad geriet er in russische Gefangenschaft und wurde dort erschossen.
Es hat lange gedauert, bis ich die Tragweite der Entscheidung meines Vaters annähernd verstanden habe und nachvollziehen konnte.
Mit dem Beispiel meines Vaters möchte ich meine Generation, die wir im Krieg geboren und im Frieden aufwachsen und immer noch leben dürfen, dazu auffordern, die Erinnerung an die Generation unserer Eltern bei der Generation unserer Kinder wach zu halten. Wir müssen eine Brücke bauen von der Vergangenheit in die Zukunft. Tragende Fundamente dieser Brücke bilden die Erkenntnis, dass eine Gemeinschaft, dass ein Volk auf Dauer nur dann eigenständig lebensfähig bleibt, wenn denn jeder Einzelne sich für die Gemeinschaft verantwortlich fühlt und bereit ist, seinen Beitrag zu leisten.
Ein weiteres Fundament ist die Erkenntnis, dass Friede vornehmlich in guter Nachbarschaft begründet wird.
Wie erfreulich anders ist die Lage unserer Bundesrepublik im Vergleich zur Situation des Deutschen Reiches in den Jahren 1914 und 1939. Während damals das Wort vom Erbfeind die politische Diskussion bestimmte, lauten heute Freundschaft und Partnerschaft die Vokabeln des politischen Miteinanders.
Das spiegelt sich beispielsweise in offenen Grenzen wider und in selbstverständlich gewordenen Begegnungen während ausländischer Urlaubsreisen. Aus ehemaligen Feinden wurden Freunde, wie die gute Zusammenarbeit der Partnerländer in der Europäischen Union zeigt.
Zu diesem Weg des europäischen Friedens gibt es keine Alternative. Die geplante Erweiterung der Europäischen Union im Jahre 2004 gen Osten ist ein weiterer Schritt auf dem weg zum Zusammenwachsen und Miteinander in Europa.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, der Volkstrauertag ist Gedenktag an den Krieg und Mahntag für den Frieden zugleich. Außerdem ist er auch ein Tag der Hoffnung. Der Hoffnung darauf, dass sich eine furchtbare Vergangenheit in der deutschen und europäischen Geschichte nie wiederholen möge. Darin begründet liegt auch Zuversicht, und zwar die Zuversicht zur Bewältigung aller derzeit anstehenden Probleme.
Dabei sollten wir uns ein Beispiel an der Nachkriegsgeneration nehmen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde der größte Trümmerhaufen der Geschichte mit Mut und Tatkraft beiseite geräumt. Dabei wurden Kräfte frei gesetzt, die von der Welt als Wunder bestaunt wurden, als Wirtschaftswunder. Allerdings war dieser wirtschaftliche Aufschwung kein Wunder, sondern das Ergebnis harter Arbeit, geprägt von Einsatzfreude und dem gemeinsamen Willen, es zu schaffen.
Mancher, der heute allzu leicht und allzu gern in Trübsal verfällt, sollte an diese Zeit denken. Dann erkennt er vielleicht, dass sich die Probleme von heute gegen die Probleme von damals eher sehr klein ausnehmen. Wir werden sie lösen, wenn wir das Gemeinsame in den Vordergrund stellen. Wenn jeder einzelne sich seiner Pflicht bewusst wird und seinen eigenen Beitrag zu leisten bereit ist. Wir brauchen eine Regierung, die das Notwendige zu tun aufzeigt, statt den Neid zu schüren und Klassenkampf zu predigen.
Wenn wir auch heute mit Tatkraft und Mut ans Werk gehen, gelingt es uns mit Sicherheit, die wirtschaftlichen Herausforderungen zu meistern, die schon bislang durch die Globalisierung auf uns zugekommen sind und in Zukunft noch auf uns zukommen werden.
Mit der von einigen proklamierten Spaßgesellschaft gelingt das sicherlich nicht. Eine Gesellschaft, in der Spaß und Feiern das wichtigste wäre, käme sicherlich wirtschaftlich nicht zu Rande, und sie hätte Probleme mit dem Trauern. Wer aber Trauer aus dem Denken verdrängen wollte, der würde zugleich auch wesentliche Züge menschlicher Existenz verdrängen.
Wer nur noch das Schöne und Glänzende sehen wollte und vor Trauer regelrecht flieht, der will sich selbst nicht begegnen.
Wer fordert, das Bedrückende der Kriege, also ihre vermeidbaren Opfer, leiden und den Tod unzähliger Menschen einfach zu vergessen, der übt sich nicht als Mensch. Der will nicht nachdenken, umdenken und Mitwirken an der Verringerung von Unfrieden, Leid und Bedrängnis, Bewältigte Trauerarbeit bietet nämlich all diese Möglichkeiten.
Meine Damen und Herren, der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag des Erinnerns, sondern zugleich ein Tag des Nachdenkens für und über die Zukunft. Von diesem Tag des Erinnerns und Nachdenkens geht eine Wirkung aus. Sie soll und kann dazu beitragen, dass dieses Jahrhundert trotz der leider aktuellen weltweiten Terrorattacken und der damit verbundenen Ängste ein friedvolleres Jahrhundert wird als das vergangene. Dieses Ziel sollten wir alle anstreben und uns dafür mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln einsetzen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.
