Festrede von Landrat Müller zum Jubiläumsfest
anlässlich des 50-jährigen Bestehens
des Bezirksverbandes der Kameradschaften ehemaliger Soldaten Paderborn, Büren und Umgebung, Kommersabend auf dem Kirchplatz in Delbrück
anlässlich des 50-jährigen Bestehens
des Bezirksverbandes der Kameradschaften ehemaliger Soldaten Paderborn, Büren und Umgebung, Kommersabend auf dem Kirchplatz in Delbrück
Liebe Kameraden, liebe Freunde der Kameradschaften, meine sehr verehrten Damen und Herren.
"Die Särge standen in Reih und Glied in der Paderborner Herz-Jesu Kirche. Niemals werde ich die fürchterlichen Schreie der Verletzten beim Angriff auf Paderborn vergessen!"
So hat mir eine 100jährige vor einigen Wochen von ihren Erinnerungen an die letzten Kriegswochen in Paderborn berichtet. Diese schrecklichen Erlebnisse hatten sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Kaum jemand, der es nicht selbst erlebt hat, vermag sich wirklich vorzustellen, wie schlimm, wie entsetzlich diese Ereignisse damals wirklich waren. Kaum jemand wird wirklich ermessen können, was deutsche Soldaten, was englische, russische, französische, amerikanische Soldaten und die Soldaten der anderen an dem Weltkrieg beteiligten Nationen an den Fronten erlitten haben. Kaum jemand kann ermessen, welches Elend und Leid der millionenfache Mord an den Juden über dieses Volk gebracht hat.
Doch die Zahl der Zeitzeugen wird immer geringer. Was können wir tun? Gestern habe ich in meinem Grußwort wichtige Aufgaben der Kameradschaften angesprochen: Erinnern und Orientierung geben!
In diesen Tagen des Gedenken, 60 Jahre nach dem Krieg, wird viel erinnert.
Ein Höhepunkt war die Aufführung des War Requiems von Benjamin Britten im Hohen Dom zu Paderborn vor einigen Wochen. Ein Satz daraus hat sich bei mir besonders eingebrannt. Er lautet:
"I am the enemy you killed, my friend."
Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund.
Ein völlig widersprüchlicher Satz, ja vielleicht widersinnig? Der Feind, vom Freund getötet? Was wollte der Autor damit sagen?
Ich denke, dieser Satz will die Widersprüchlichkeit, ja Widersinnigkeit von kriegerischen Auseinandersetzungen deutlich machen.
Die Geschichte des War Requiem ist folgende: Die Industrie- und Textilstadt Coventry in Mittelengland war das Ziel schwerer Angriffe der deutschen Luftwaffe. Coventrys Innenstadt und auch die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert wurden fast vollständig zerstört, ein Schicksal, das auch viele andere Städte, auch Paderborn, getroffen hat. Nach Kriegsende entschieden sich die Bürger von Coventry, diese Ruine als Mahnmal zu bewahren und daneben eine neue Kirche zu errichten. Zur Einweihung komponierte Benjamin Britten dieses Requiem und führte es 1962 auf.
"Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund!"
Der Feind, der Gegner, der Widersacher, den der Soldat im Krieg bekämpft und tötet, ist genauso ein Mensch wie er selbst. Hätten die beiden Gegner im gleichen Land, der gleichen Stadt gewohnt, wären sie vielleicht Nachbarn, eventuell sogar Freunde gewesen.
"Ich bin der Feind, den Du getötet hast, mein Freund!"
Gegen einen Freund erhebt niemand die Hand, führt niemand die Waffe. Also ist es unsere Verantwortung und Aufgabe Freundschaften zu begründen, Freundschaften zu pflegen und zu erhalten. Und wir dürfen uns davon nicht durch Staatsgrenzen, Sprachbarrieren oder Kulturunterschiede abhalten lassen.
Ich meine, es geht nicht nur darum, die großen Katastrophen zu vermeiden, wir müssen im Kleinen anfangen und Freundschaft schließen mit unserem Gegenüber am Tisch, dem Kollegen im Betrieb und dem Nachbarn auf der anderen Seite vom Gartenzaun. So kann jeder einzelne verbinden.
"Ich bin der Feind, den Du getötet hast, mein Freund!"
Der Erbarmungslosigkeit des 2. Weltkrieges steht heute die europäische Freundschaft gegenüber. In Beethovens "Ode an die Freude", häufig als "europäische Nationalhymne" benutzt, singen wir: "Alle Menschen werden Brüder".
Wir müssen fortfahren, in Europa Freundschaften zu schließen. Damit zusammen wächst, was zusammen gehört. Viele Städte arbeiten daran mit ihren Städtepartnerschaft, europaweit und über die Grenzen unseres Kontinentes hinaus.
Aber wir wissen: ganz so einfach ist es nicht. Wir dürfen nicht unsere eigenen Grundsätze und Überzeugungen leugnen, nur um einem Streit aus dem Wege zu gehen. Eine Demokratie, die nicht wehrhaft ist, kann sehr schnell ihre Freiheit verlieren. Die deutschen Soldaten, die heute in Krisengebieten eingesetzt werden, leisten vielerlei Hilfestellung vor Ort und verteidigen damit gleichzeitig die Grundprinzipien unserer Demokratie.
Ich möchte aber noch auf einen weiteren Mechanismus hinweisen: Die globale Weltwirtschaft macht der deutschen Volkswirtschaft schwer zu schaffen. Aber bei aller Beschwernis: diese internationale Wirtschaft fördert die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen. Sie ist ein ideales Mittel, um Beziehungen zu knüpfen und zu vertiefen. Sie fördert das Miteinander, das Kooperieren und das aufeinander Angewiesensein. Wer miteinander handelt und arbeitet, stellt sich aufeinander ein, entwickelt Verständnis für einander. Internationalität wird immer selbstverständlicher, ist nicht nur Basis für zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg einer Region. Internationalität fördert friedliches Miteinander.
Es gibt viele Wege, den Frieden zu fördern. 50 Jahre hat dieser Bezirksverband gemahnt, daß aus ehemaligen Feinden Freunde werden. Es wird Ihre Aufgabe in der Zukunft sein, liebe Kameraden, in einer Zeit mit immer weniger Zeitzeugen Ihre Botschaft von Erinnerung und Orientierung wach zu halten.
So hat mir eine 100jährige vor einigen Wochen von ihren Erinnerungen an die letzten Kriegswochen in Paderborn berichtet. Diese schrecklichen Erlebnisse hatten sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Kaum jemand, der es nicht selbst erlebt hat, vermag sich wirklich vorzustellen, wie schlimm, wie entsetzlich diese Ereignisse damals wirklich waren. Kaum jemand wird wirklich ermessen können, was deutsche Soldaten, was englische, russische, französische, amerikanische Soldaten und die Soldaten der anderen an dem Weltkrieg beteiligten Nationen an den Fronten erlitten haben. Kaum jemand kann ermessen, welches Elend und Leid der millionenfache Mord an den Juden über dieses Volk gebracht hat.
Doch die Zahl der Zeitzeugen wird immer geringer. Was können wir tun? Gestern habe ich in meinem Grußwort wichtige Aufgaben der Kameradschaften angesprochen: Erinnern und Orientierung geben!
In diesen Tagen des Gedenken, 60 Jahre nach dem Krieg, wird viel erinnert.
Ein Höhepunkt war die Aufführung des War Requiems von Benjamin Britten im Hohen Dom zu Paderborn vor einigen Wochen. Ein Satz daraus hat sich bei mir besonders eingebrannt. Er lautet:
"I am the enemy you killed, my friend."
Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund.
Ein völlig widersprüchlicher Satz, ja vielleicht widersinnig? Der Feind, vom Freund getötet? Was wollte der Autor damit sagen?
Ich denke, dieser Satz will die Widersprüchlichkeit, ja Widersinnigkeit von kriegerischen Auseinandersetzungen deutlich machen.
Die Geschichte des War Requiem ist folgende: Die Industrie- und Textilstadt Coventry in Mittelengland war das Ziel schwerer Angriffe der deutschen Luftwaffe. Coventrys Innenstadt und auch die Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert wurden fast vollständig zerstört, ein Schicksal, das auch viele andere Städte, auch Paderborn, getroffen hat. Nach Kriegsende entschieden sich die Bürger von Coventry, diese Ruine als Mahnmal zu bewahren und daneben eine neue Kirche zu errichten. Zur Einweihung komponierte Benjamin Britten dieses Requiem und führte es 1962 auf.
"Ich bin der Feind, den du getötet hast, mein Freund!"
Der Feind, der Gegner, der Widersacher, den der Soldat im Krieg bekämpft und tötet, ist genauso ein Mensch wie er selbst. Hätten die beiden Gegner im gleichen Land, der gleichen Stadt gewohnt, wären sie vielleicht Nachbarn, eventuell sogar Freunde gewesen.
"Ich bin der Feind, den Du getötet hast, mein Freund!"
Gegen einen Freund erhebt niemand die Hand, führt niemand die Waffe. Also ist es unsere Verantwortung und Aufgabe Freundschaften zu begründen, Freundschaften zu pflegen und zu erhalten. Und wir dürfen uns davon nicht durch Staatsgrenzen, Sprachbarrieren oder Kulturunterschiede abhalten lassen.
Ich meine, es geht nicht nur darum, die großen Katastrophen zu vermeiden, wir müssen im Kleinen anfangen und Freundschaft schließen mit unserem Gegenüber am Tisch, dem Kollegen im Betrieb und dem Nachbarn auf der anderen Seite vom Gartenzaun. So kann jeder einzelne verbinden.
"Ich bin der Feind, den Du getötet hast, mein Freund!"
Der Erbarmungslosigkeit des 2. Weltkrieges steht heute die europäische Freundschaft gegenüber. In Beethovens "Ode an die Freude", häufig als "europäische Nationalhymne" benutzt, singen wir: "Alle Menschen werden Brüder".
Wir müssen fortfahren, in Europa Freundschaften zu schließen. Damit zusammen wächst, was zusammen gehört. Viele Städte arbeiten daran mit ihren Städtepartnerschaft, europaweit und über die Grenzen unseres Kontinentes hinaus.
Aber wir wissen: ganz so einfach ist es nicht. Wir dürfen nicht unsere eigenen Grundsätze und Überzeugungen leugnen, nur um einem Streit aus dem Wege zu gehen. Eine Demokratie, die nicht wehrhaft ist, kann sehr schnell ihre Freiheit verlieren. Die deutschen Soldaten, die heute in Krisengebieten eingesetzt werden, leisten vielerlei Hilfestellung vor Ort und verteidigen damit gleichzeitig die Grundprinzipien unserer Demokratie.
Ich möchte aber noch auf einen weiteren Mechanismus hinweisen: Die globale Weltwirtschaft macht der deutschen Volkswirtschaft schwer zu schaffen. Aber bei aller Beschwernis: diese internationale Wirtschaft fördert die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen. Sie ist ein ideales Mittel, um Beziehungen zu knüpfen und zu vertiefen. Sie fördert das Miteinander, das Kooperieren und das aufeinander Angewiesensein. Wer miteinander handelt und arbeitet, stellt sich aufeinander ein, entwickelt Verständnis für einander. Internationalität wird immer selbstverständlicher, ist nicht nur Basis für zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg einer Region. Internationalität fördert friedliches Miteinander.
Es gibt viele Wege, den Frieden zu fördern. 50 Jahre hat dieser Bezirksverband gemahnt, daß aus ehemaligen Feinden Freunde werden. Es wird Ihre Aufgabe in der Zukunft sein, liebe Kameraden, in einer Zeit mit immer weniger Zeitzeugen Ihre Botschaft von Erinnerung und Orientierung wach zu halten.
Nie wieder so viele Särge in Herz-Jesu! Nie wieder!
Wir haben es in der Hand.
