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18.11.2007: Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertages 2007 in Schloß Neuhaus

Worte des Gedenkens von Landrat Manfred Müller

Der Volkstrauertag ist ein jährlich wieder kehrendes Ritual. Jedes Jahr treffen sich die Soldatenkameradschaften, die Schützen und der Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge und natürlich viele, viele Menschen an den Mahn- und Denkmälern in unseren Orten, um der Opfer der Kriege, der Gewalt und des Terrors zu gedenken.

Ist das Gedenken heute noch aktuell? Schließlich ist der Krieg schon 60 Jahre lang „Geschichte“, im wahrsten Sinne des Wortes.

Man könnte schon meinen, manche Bevölkerungskreise ignorierten die Gefahren für den Frieden, die auch heute immer noch existieren. Frieden ist für viele, insbesondere konsumtiv orientierte gesellschaftliche Gruppen eine selbstverständliche Dienstleistung des Staates. So selbstverständlich wie der Strom aus der Steckdose oder das Wasser aus dem Wasserhahn. - Wir wissen es alle: So ist es nicht!

Umso mehr freut es mich, dass die Ausstellung des Kreises Paderborn über die Kriegerdenkmäler in unseren Dörfern und Städten im Foyer des Kreishauses eine so große Resonanz erfährt. Vielleicht liegt es daran, dass Kriegerdenkmäler ein Stück weit auch die Grabsteine für die Soldaten darstellen, die vermisst sind oder die gefallen in fremder Erde ruhen.
Umso wichtiger ist es, dieses Thema des Erinnerns für diejenigen aufzubereiten, die weder aus eigenem Erleben noch aus den Berichten ihrer Eltern oder Großeltern über die Schrecken des Krieges erfahren haben.

Unser Volkstrauertag ist ein Tag der Besinnung auf das millionenfache Sterben insbesondere in den beiden Weltkriegen und ein Anlass, über den Gräbern Versöhnung zu suchen, sich für den Frieden einzusetzen. Der Toten zu gedenken gehört zur menschlichen Kultur in allen Teilen unserer Welt.

Am letzten Sonntag habe ich am militärischen Volkstrauertag der Briten in der Kaserne an Husarenstraße teilgenommen. Und ich bin sehr dankbar, dass auch Vertreter der Soldatenkameradschaften unseres Kreises dabei waren.   In unser stilles Gedenken schließen wir heute die unschuldigen Toten jeder Gewaltherrschaft und des weltweiten Terrorismus ein. Und ich möchte auch die gefallenen britischen Soldaten erwähnen, die im vergangenen Jahr im Irak gefallen sind. 11 waren es aus Paderborn, 20 aus der Region.

Aber – der Volkstrauertag ist nicht nur ein Tag des Erinnerns und der gemeinschaftlichen Trauer, sondern auch ein Tag, sich Gedanken um die Zukunft, um die Sicherung des Friedens zu machen. 

Doch was haben wir mit dem großen Thema „Frieden“ zu tun? Oder anders gefragt – was können wir schon tun? Ist das nicht ein Thema der großen Politik?

Nun – nicht ganz. Lassen Sie es mich so erklären: Die Briten symbolisieren das Gedenken ihrer gefallenen Kameraden in den Kriegen mit Kränzen aus Papier- oder Kunststoffblüten des Klatschmohns. Damit erinnern die Briten an das sehr plastische Bild, dass nach den flandrische Schlachten im ersten Weltkrieg auf den Gräbern der verschlammten Kriegschauplätze nur noch der Klatschmohn blühte. Dort waren über 500.000 Soldaten auf beiden Seiten gefallen.

Verehrte Kameraden, meine sehr geehrte Damen und Herren! Über 60 Jahre Frieden gibt es in Europa! Ein Krieg mit den Briten oder mit Frankreich ist undenkbar geworden, allein der Gedanke ist abstrus. Eine Bedrohung aus dem Osten ist mit der Osterweiterung der Europäischen Gemeinschaft viel unwahrscheinlicher geworden.

Lassen Sie es mich mit den Worten des Trierer Bischofs und früheren Paderborner Weihbischofs Reinhard Marx sagen, der bei der Verleihung der der Liboriusmedaille an den luxemburgischen Ministerpräsidenten Jean-Claude Juncker meinte:

„Europa ist das größte Friedenswerk der Weltgeschichte!“ Und der neue Preisträger fügte hinzu: „Europa – und auch die gemeinsame Währung - wirkt für den Frieden, ohne dass die Menschen es merken!“ Und deshalb bitte ich Sie herzlich darum, den europäischen Gedanken zu unterstützen!
Zum Beispiel bei den freundschaftlichen Kontakten zu den Briten hier in Paderborn, bei der Verbindung zu den Partnerschaften Paderborns in Europa und der Welt und beim Eintreten für die Intensivierung der wirtschaftlichen Verflechtungen, die uns dabei helfen, Frieden zu sichern.
Wir leben in einer immer globaler werdenden Welt und die Entwicklung unserer Region hängt sehr davon ab, ob es uns gelingt, uns mit den Menschen in anderen Nationen gut zu verstehen, mit ihnen friedlich zu handeln, ihre Religion, Kultur zu akzeptieren und zu respektieren und bei unserer Jugend den Sinn für Toleranz und interkulturelle Kompetenz weiter zu entwickeln.

Dazu gehört auch das Eintreten für die Friedenseinsätze der Bundeswehr in Afghanistan – auch Soldaten aus Sennelager waren dabei.

In dem weltberühmten Musical  „Hair“ hieß ein Text schon vor 4 Jahrzehnten:

"Hat’ s der Mensch nicht weit gebracht
und von seinem Wissen wunderbar Gebrauch gemacht –
forscht immer weiter und wird noch gescheiter !
Hat’ s der Mensch nicht weit gebracht ?"

Ja, das kann man sagen! Der Mensch hat es weit gebracht, aber setzt er seine Fähigkeiten auch richtig ein?
Der Mensch ist zum Guten, aber auch zum Bösen fähig. Wir brauchen eine wehrhafte Demokratie. Eine solide Werteordnung. Wir müssen täglich darum kämpfen, dass niemand diese Errungenschaften verantwortungslos durch Gewalt oder Terror zerstört!

Lernen wir aus der Vergangenheit für die Zukunft! Begreifen wir die Sinnlosigkeit von Krieg, Terror und Gewalt!

Und leisten wir unseren Beitrag!

Wir alle sind dabei gefragt!

Kreisverband Paderborn im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.
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