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15. November 2009 : Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Rede des Britischen Brigadekommandeurs Patrick Sanders anlässlich der Zentralen Gedenkfeier des Kreises Paderborn auf dem Ehrenfriedhof Böddeken zum Volkstrauertag 2009. Die Übersetzung der Rede erfolgte durch Major Wolfgang Mann, dem Deutschen Militärischen Vertreter.


Es ist eine große Ehre für Herrn Brigadier Sanders als ranghöchster Vertreter der britischen Streitkräfte in Paderborn an dieser Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertages hier in Böddeken teinehmen zu dürfen.  Vor einer Woche leitete er die vergleichbare britische Veranstaltung in der Garnison Paderborn, die in Großbritannien als ‚Remembrance Sunday’, ins Deutsche übersetzt bedeutet dies „Sonntag des Gedenkens“, bekannt ist.

Einer Tradition zufolge, die kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges begründet wurde, versammelt sich jedes Jahr eben an diesem Tag die gesamte britische Nation,
um der Soldatinnen und Soldaten zu gedenken, die im Dienst für ihr Vaterland gefallen sind und um ihnen Ehre zu erweisen.
Die Hauptgedenkfeier findet hierbei vor dem Cenotaph, dem Ehrenmal in Whitehall im Zentrum von London statt.  Sie wird von der Königin im Beisein von hohen politischen und militärischen Würdenträgern geleitet.  Es ist eine feierliche und bedeutende Zeremonie, deren Relevanz gleich bleibenden Bestand hat – keiner von uns muss daran erinnert werden, welche Opfer unsere Soldaten in den heutigen Konflikten Tag für Tag erbringen, besonders in Afghanistan.

Aber, während die nationale Veranstaltung am „Remembrance Sunday“ in London zu Recht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, finden in den Dörfern und Städten des gesamten Landes Gedenkfeiern statt, die viel persönlicher und bedeutsamer sind. In Kirchen und auf Friedhöfen versammeln sich die Gemeinden, um ihre eigenen, kleinen, würdevollen Gedenkveranstaltungen abzuhalten – oftmals versammelt man sich hierzu auf dem Dorfplatz vor einem Kriegsdenkmal, in das die Namen der Söhne, die in den großen Kriegen des letzten Jahrhunderts gefallen sind, eingemeißelt wurden. Und leider müssen in der heutigen Zeit in jedem Jahr weitere Namen hinzugefügt werden.

Für Herrn Brigadier Sanders sind diese kleinen, persönlichen Gedenkfeiern, zu denen die ganze Gemeinde – jung und alt, reich und arm zusammenkommt – die wirklich bewegenden und bedeutsamen Gedenkfeiern. Hier, in den Straßen und Feldern in denen sie aufgewachsen sind, ist die Verbindung zu den Gefallenen am engsten. Es sind diese Gedenkfeiern, die Brigadier Sanders ganz besonders schätzt und die ihn weitaus mehr bewegen als die Formalität der nationalen Feiern.
Deswegen freut es ihn auch besonders, dass er eingeladen wurde, am heutigen Volkstrauertag hier bei Ihnen in Böddeken zu sein.  Die Tatsache, dass dies eine lokale Gedenkfeier ist, macht sie zu einem ganz besonderen Anlass und Herr Brigadier Sanders empfindet es als besondere Ehre, dass Sie ihm gestattet haben, an der Feier zum Gedenken an diejenigen, die aus dieser Gemeinde für ihr Vaterland gefallen sind, teilzuhaben.

Brigadier Sanders ist jedoch heute nicht nur als Gast hier, gleichwohl dies eine große Ehre ist.  Vor allem ist er als Mitglied eines unserer engsten Verbündeten in der NATO und als ein europäischer Partner hier.

Vor drei Generationen kämpften unsere Vorväter gegeneinander.  Aber in den letzten 60 Jahren hat sich ein gewaltiger Wandel vollzogen.  Jetzt stehen wir hier als Verbündete, Partner und Freunde, vereinigt in einem gemeinsamen Ziel und zutiefst verbunden.

Brigadier Sanders hat niemals etwas anderes kennen gelernt als diese Partnerschaft und für ihn ist sie so selbstverständlich wie das Atmen.  Während seiner militärischen Laufbahn diente er gemeinsam mit Soldaten der Bundeswehr und häufig auch unter deren Kommando, wie hier in Deutschland zur Zeit des kalten Krieges sowie in Bosnien und im Kosovo.

Für den Brigadier ist der hohe Qualitätsstandard Ihrer Soldaten und Kommandeure zur Selbstverständlichkeit geworden, da er nie etwas anderes als erstklassige Leistungen von ihnen erfahren hat.  Während wir hier versammelt sind, dienen und kämpfen unsere Streitkräfte gemeinsam als enge Verbündete in Afghanistan.  Herr Brigadier Sanders weiß aus erster Hand, welchen extremen Herausforderungen und Gefahren die deutschen Soldaten vor Ort ausgesetzt sind.  Und er weiß auch, dass die deutschen Soldaten bei allen Mitgliedern der ISAF die höchste Anerkennung genießen. Ihre Fähigkeiten, ihr Mut, ihre Ausdauer und ihre Entschlossenheit sind außerordentlich. Und ihre Menschlichkeit zeichnet sie aus.  Sie können sehr stolz auf sie sein; der Brigadegeneral ist stolz darauf, gemeinsam mit den deutschen Soldaten zu dienen.

Genau wie die britischen Soldaten in Südafghanistan, haben die deutschen Soldaten im Norden von Afghanistan schwere Opfer und Verluste erlitten.  So möchte er heute in diesem Augenblick mit Ihnen gemeinsam an die jungen deutschen und britischen Frauen und Männer denken, die für uns in Afghanistan kämpfen.

Abschließend möchte Brigadier Sanders anmerken, dass für ihn der ‚Remembrance Sunday’ und der ‚Volkstrauertag’ in keiner Weise die Verherrlichung des Krieges bedeuten.
Diejenigen unter uns, die den Kampf und die daraus resultierenden Opfer und Verluste erlebt haben, wissen nur zu genau, dass im Kampf NICHTS glorreich oder  poetisch ist – niemand hasst den Krieg mehr als ein Soldat, der ihn erlebt hat. Und für niemanden hat die Ehrung und das Gedenken an die Gefallenen eine größere Bedeutung als für den Veteranen und für denjenigen, der einen geliebten Menschen im Krieg verloren hat.

So betet Brigadier Sanders heute am Volkstrauertag hier in Böddeken für die Söhne und Töchter dieser Region, die im Dienst für ihr Vaterland ihr Leben ließen. ER betet für die Familien, die sie hinterließen.  Und er betet für die deutschen und britischen jungen Männer und Frauen, die in Afghanistan für uns solche großen Opfer erbracht haben. Vor allen Dingen möchte er diesen jungen Menschen seinen Respekt und seine Ehrerbietung erweisen.

Danke für die Gelegenheit heute hier bei Ihnen sein zu dürfen – es erfüllt Herrn Brigadier Sanders mit Ehre und mit Demut.


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