Pressemeldung vom 05.10.2015

„Ohne Europa wären Deutsche Einheit und 70 Jahre Frieden nicht möglich gewesen.“ – Ehemaliger Präsident des EU-Rates Herman Van Rompuy sprach zum 25. Jubiläum der Deutschen Einheit

Kreis Paderborn (krpb). Über 250 Besucher kamen zum Tag der Deutschen Einheit in das Museum Kaiserpfalz in Paderborn. Festredner war der ehemalige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, der über die Stärke der Europäischen Union und die aktive Rolle Deutsche Einigung sprach. Eine Schülerin aus Deutschland und zwei Schüler aus Großbritannien und den Niederlanden redeten über ihr Verständnis von Deutschland und Europa.

„Ohne die feste Einbindung in Europa wäre die Deutsche Einheit mit dem vergrößerten Deutschland nicht möglich gewesen“, sagte Landrat Manfred Müller. 70 Jahre Frieden seien für Deutschland nur durch Europa möglich geworden. Seine Generation sei die erste seit 150 Jahren, die nicht in den Krieg ziehen musste.

Müller sprach in seiner Rede die aktuellen Flüchtlingsströme an und bezeichnete diese als die größte Herausforderung seit der deutschen Einigung. „Aufgrund unserer Historie ist das Grundrecht auf Asyl in unser Grundgesetz gekommen und wir kämpfen darum, die Flüchtlinge unterzubringen und zu integrieren. Aber nicht alle werden bleiben können. Wir müssen unsere Kräfte auf die politisch Verfolgten und die Menschen aus den Kriegsgebieten konzentrieren“, sagte Müller.

Der Landrat erinnerte auch daran, dass der Kreis Paderborn dem heutigen Partnerkreis Teltow-Fläming (ehemals Zossen) nach der Wiedervereinigung beim Aufbau der Verwaltung geholfen hat. Aus der Hilfe wurde eine Freundschaft mit vielen Besuchen und gemeinsamen Veranstaltungen. Seit 2001 sind die beiden Landkreise Partnerkreise.

Van Rompuy entkräftete mit seiner Rede viele Europa-Kritiken. „Das vereinte, größere Deutschland muss eine aktive Rolle bei der Bewältigung der Probleme übernehmen“, forderte der frühere europäische Spitzenpolitiker zur Überraschung mancher Teilnehmer. „Wir brauchen eine Wirtschafts- und Währungsunion mit mehr Verpflichtungen, mehr Solidarität und mehr gemeinsamer Verantwortung.“

Van Rompuy ließ die Geschichte der Europäischen Einigung Revue passieren. „Es war der Beginn eines Europas des Wohlstands und des Frieden, eines Europas der zivilen Kraft, als „Soft Power“, als Verbündeter der sich entwickelnden Freiheit in der ganzen Welt“, sagte Van Rompuy.

Die Schülerin Britta Gockel (Gymnasium Theodorianum) und die Schüler Oskar Polanski (Mildenhall College Academy, England) und Coen Hoogeveen (Novertus College, Roosenaal, Niederlanden) zeigten, wie junge Leute die Deutsche Einheit und die Europäische Union wahrnehmen.

Gockel reflektierte, was es bedeutet, Deutsche zu sein und in der Welt als Deutsche wahrgenommen zu werden. Für die 16-Jährige ist es wichtig, mit dem geschichtlichen Erbe Deutschlands umzugehen und diese Vergangenheit infrage zu stellen. Die Deutsche Einheit ist für sie ein besonderes Ereignis, das zwei Länder durch ihr Eins-Werden viel Stärke erlangt haben. „Wir sollten daher glücklich darüber sein, Deutsche zu sein – meiner Meinung nach haben wir das Recht dazu.“

Polanski schaute in seiner Rede als Brite mit polnischen Wurzeln auf Deutschland. Das Besondere an Deutschland sei seine Ingenieursleistung, sein Bildungssystem, seine Wirtschaftskraft und seine Infrastruktur. „Deutschland ist das Powerhouse der Europäischen Union“, sagte Polanski.

Coen Hoogeveen lebt in den Niederlanden und blickt von dort auf Deutschland. Deutschland sei ehrgeizig und habe es in seiner jungen Geschichte geschafft, zu einer „ökonomischen Supermacht“ zu werden. Sein Wunsch sei es, Europa zu bereisen und die verschiedenen Kulturen und Sprachen kennenzulernen. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es früher war, Grenzen zu überqueren und einen Pass zu zeigen.“

Für den musikalischen Rahmen beim Festakt in der Kaiserpfalz sorgte das Blasorchester Lichtenau unter der Leitung von Josef Hartmann. Das Orchester spielte ein buntes Melodien-Potpourri, darunter auch die Deutsche Nationalhymne und die Europahymne.

 

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