02. Oktober 2026
Eine Leitstelle mit zwei Standorten
Der Kreistag hat einstimmig den Weg frei gemacht für eine engere Kooperation der Leitstellen der Kreise Paderborn und Gütersloh. Die beiden Kreise wollen eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung zur ‚Vorbereitung eines technischen Leitstellenverbundes für die Bereiche Rettungsdienst, Feuerwehr und Katastrophenschutz‘ vereinbaren. Mit dem Kreistagsbeschluss ist die Vorrausetzung geschaffen, dass Landrätin Ina Laukötter und ihr Paderborner Kollege Christoph Rüther den Vertrag unterzeichnen können. Der Kreistag Paderborn hatte seinerseits bereits im Juli einstimmig der Kooperation zugestimmt.
„Mit der Zusammenarbeit stärken wir den Bevölkerungsschutz in unseren beiden Kreisen nachhaltig“, betonen Rüther und Laukötter. Durch das Einrichten einer vollumfänglichen, gegenseitigen Ausfallebene werde die Funktionsfähigkeit gesichert: „Eine Leitstelle mit zwei Standorten“ hatten Laukötter und Rüther bereits im März dieses Jahres als Ziel ausgerufen. Der vorgeplante Leitstellenverbund bildet zukünftig wesentlich mehr ab als eine reine technische Redundanz. Der Vertragsentwurf beschreibt die perspektivische Vollvernetzung mit gegenseitiger Notrufannahme, Einsatzbearbeitung und Disposition sowie einer zweiseitigen Redundanzstruktur. „Der Verbund der Leitstellen Gütersloh und Paderborn ist ein zukunftsweisender Ansatz, der bewusst gewählt wurde“, heißt es in der Vorlage für den Gütersloh Kreistag. Er verbindet die Vorteile dezentraler Strukturen mit den Möglichkeiten moderner technischer und organisatorischer Vernetzung. „Besonders im Fall einer Cyberattacke zeigt sich der Wert dieser Redundanz: Wenn ein Standort ausfällt, übernimmt der andere nahtlos die Aufgaben – so bleibt die Handlungsfähigkeit auch unter digitalen Bedrohungen erhalten“, erklären die beiden weiter.
Die Zusammenarbeit der beiden ostwestfälischen Kreise soll weit über die technische Komponente hinaus gehen. Künftig soll es möglich sein, neben der gegenseitigen Rückfallebene nicht nur für den anderen Kreis einspringen zu können, sondern sich auch technisch, personell und organisatorisch zu unterstützen. Angefangen von gemeinsamer Beschaffung, Aus- und Fortbildung, gegenseitige Unterstützung im Alltag und auch in Krisenlagen. Damit gehe man deutlich über eine klassische Zusammenarbeit hinaus, heißt es in der Vorlage. Beispiele hierfür sind die zukünftige gemeinsame Betrachtung von Personalstrukturen und die konsequente Nutzung gemeinsamer Vergabeverfahren. So sei es denkbar, hatten die Verantwortlichen bereits im März dargelegt, dass in den Nachtstunden der Personaleinsatz reduziert werden kann, wenn man die Dienstpläne abstimmt und für den jeweils anderen Kreis Einsätze disponiert. Der Verbund verfolgt das Ziel, durch gemeinsame Vorgehensweisen wirtschaftliche Vorteile zu realisieren und gleichzeitig durch die Bündelung von Kompetenzen zur stetigen Qualitätssteigerung beizutragen. Beide Kreise planen derzeit den Neubau ihrer Leitstellen, im Kreis Gütersloh war im vergangenen Jahr Spatenstich für das Feuerwehr- und Rettungsdienstzentrum in Verl-Sürenheide, in das auch die Leitstelle mit einziehen wird.
Rüther und Laukötter hatten bei einem Arbeitstreffen im März dieses Jahres über eine weitreichende Zusammenarbeit gesprochen: Auch in Fragen des Zivilschutzes und beim Katastrophenschutzbedarfsplan wollen beide Kreise sich künftig eng abstimmen. Wie die Leitstellen gehören auch diese Themen in die Zuständigkeit der Abteilungen für Bevölkerungsschutz.