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Wewelsburg
Pressemeldung vom 18.12.2014

„Kindern eine Perspektive geben“: Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland für Christel Zumdieck

Kreis Paderborn (krpb). Der Bundespräsident hat Christel Elisabeth Zumdieck aus Paderborn für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Entwicklungshilfe das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Landrat Manfred Müller überreichte im Rahmen einer Feierstunde die Ordensinsignien und richtete gleichzeitig die Glückwünsche der Ministerpräsidentin und der Regierungspräsidentin Detmold aus.

Schon als Jugendliche sei es ihr ein Herzensanliegen gewesen, sich in der Entwicklungshilfe, so wie es damals noch genannt wurde, ehrenamtlich einzubringen. Ihr Leben verlief zunächst jedoch anders. Sie wählte den Beruf der Lehrerin und engagierte sich auch außerhalb der Schule besonders für junge Menschen. Bis 2001 war sie am Goerdeler Gymnasium in Paderborn als Oberstudienrätin tätig. Für die Betreuung ihrer Kinder ließ sie sich einige Jahre beurlauben. Als dann weitere Familienmitglieder, so wie ihre Schwester, deren Kinder oder die Mutter, Hilfe brauchten, da war sie wieder zur Stelle und ließ sich erneut beurlauben. Danach ist sie nicht mehr in ihren Beruf zurückgekehrt, sondern hat sich in Vollzeit ehrenamtlich um das Wohl anderer Menschen, insbesondere von Kindern, gekümmert.

Im Frühjahr 1993 lernte Zumdieck auf einer Südamerikareise das im Aufbau befindliche Kinderdorf des Internationalen Verbandes Westfälischer Kinderdörfer in Lima kennen. Für sie ein Schlüsselerlebnis: Sie sah das Elend in den Slums, die verfolgten und teilweise lebensbedrohten Kinder und beschloss fortan, neben dem Engagement für die Jugendlichen in der Paderborner Region sich auch für die internationale Zusammenarbeit in der Entwicklungshilfe einzusetzen. Bereits im Sommer 1993 wurde sie Mitglied im Internationalen Verband Westfälischer Kinderdörfer e.V. (IVWK) in Paderborn. Das Motto des Vereins „Wir geben Kindern Perspektiven….“ „lebte sie von ganzem Herzen und mit unermüdlichem Einsatz“, betonte der Landrat. Der Verein unterstützt und fördert in Ghana, Indien und Peru Kinderdörfer, in denen Waisen und Sozialwaisen ein neues Zuhause finden. Die Familie wird als umfassende Lebensbasis gesehen und neu aufgebaut. Durch den Aufbau kleiner Wirtschaftsbetriebe, die der Selbstversorgung und der Ausbildung von Jugendlichen dienen, wird direkt vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Zumdieck kümmerte sich zunächst um Spendengelder und organisierte zahlreiche Veranstaltungen, u.a. auch Benefizkonzerte. Die Bildung der Kinder und Jugendlichen liegt ihr besonders am Herzen. Denn jedes Land benötige gebildete Menschen zum Aufbau und Erhalt der Strukturen. Sie könnten die Zukunft des Landes beeinflussen und Neues gestalten. Bildung biete die Möglichkeiten zum Ausstieg aus der Armut und gebe Kindern eine Perspektive, so auch die Überzeugung des IVWK.
So nahm sie Kontakt zu den Paderborner Grund- und weiterführenden Schulen auf, um Schülerinnen und Schüler für die Vision der „Einen Welt“ und die Entwicklungsarbeit zu gewinnen. Als 1994/95 im Kinderdorf in Peru das „Haus Paderborn“ gebaut wurde, konnte sie verschiedene Paderborner Schulen für das Projekt „Kinder helfen Kinder – wer hilft mit?“ gewinnen. Diese Solidaraktionen trugen erheblich zur Finanzierung des Hauses bei. Zudem warb sie bei verschiedenen Unternehmen, Vereinen und Paderborner Bürgern um Spenden für die Fertigstellung des Hauses und sorgte zusätzlich für die Übernahme einzelner persönlicher Kinderpatenschaften.

Seit 1996 gehört Zumdieck dem Kuratorium des IVWK an. Zum Weltkindertag am 20. September 1997 initiierte sie das schulübergreifende Projekt „Brückenschlag – Paderborner Jugend für Ausbildung in Peru“. Verschiedene Schulen in Paderborn wurden als Patenschulen für diese Aktion gewonnen. Dabei ging es nicht nur um Gelder für das Kinderdorf. Vielmehr fand zudem ein kultureller Austausch zwischen den Kinderdorfkindern und den Paderborner Schülern statt, indem zu vorgegebenen Themen
Kunstwerke geschaffen wurden, die dann zusammengeführt bzw. ausgetauscht wurden.

Von 1998 bis 2003 war sie Vorsitzende des Kuratoriums des IVWK und im Anschluss zwei Jahre stellvertretend tätig, bis in 2005 erneut ihre Wahl zur Vorstandsvorsitzenden erfolgte. Als man noch im gleichen Jahr die Stelle des hauptamtlichen Geschäftsführers aus Kostengründen strich, übernahm sie kurzerhand, auf ehrenamtlicher Basis, diese Aufgabe. Seither ist sie für Öffentlichkeitsarbeit, den gesamten wirtschaftlichen Aufgabenbereich und für die Kontaktpflege zu Schulen, Spendern, Sponsoren, Paten und sonstigen Förderern und ehrenamtlich Arbeitenden zuständig. Daneben organisiert und betreut sie Ausstellungen, Informationsstände und hält Vorträge. Ihre ehrenamtliche Tätigkeit sei ein „Fulltimejob“, mit Telefonaten, E-Mails etc. bis in die Abendstunden hinein. Landrat Müller bedankte sich deshalb auch bei der Familie, insbesondere dem Ehemann, ohne deren Verständnis und Rückhalt das alles so nicht leistbar gewesen wäre.

Ständig suchte Zumdieck neue Wege, um die Ziele des Vereins voranzutreiben. Auch aufgrund ihrer häufigen Präsenz vor Ort habe sie den Ausbau und die Modernisierung in allen drei Kinderdörfern in Peru, Ghana und Indien vorangebracht. Es sei ihr gelungen, die gespendeten Gelder mit minimalen Verwaltungskosten den Dörfern direkt zuzuleiten und dort entsprechende Projekte zu realisieren, betonte der Landrat. So wurde beispielweise im Rahmen des Jugendkulturfestivals NRW in 2010 in Dortmund eine Partnerschaftsmappe mit dem Titel „Brücken in eine( r ) Welt“ erstellt. Hierzu fertigten Schüler aus Paderborn, Ghana und Peru ein Buch mit Berichten, Aufsätzen und Bildern an, welches Paderborner Schüler anschließend beim Jugendkulturfestivals NRW vorstellten. Sie rief Klassenpatenschaften ins Leben, mit denen Paderborner Schüler ein Kinderdorfkind finanziell unterstützten. Sie ebnete die Wege für Benefizveranstaltungen, betreute oftmals selbst Veranstaltungen vor Ort und sorgte durch ihre kontinuierliche, engagierte Öffentlichkeitsarbeit dafür, dass der Einsatz der Schülerinnen und Schüler auch gewürdigt und gesellschaftlich anerkannt wurde. Mit Hilfe von Spendengeldern konnte in Peru eine Ausbildungsbäckerei gebaut und eingerichtet werden. In einer sogenannten 3-jährigen Vorausbildung werden die Jugendlichen mit verschieden Berufsbildern vertraut gemacht. In 2012 begannen die Bemühungen um ein ganz besonderes Ausbildungsprojekt: Ein ehemaliges Kinderdorfkind aus Peru sollte in Bad Driburg bei der Firma Goeken Backen GmbH die Möglichkeit bekommen, eine Ausbildung zum Bäcker zu absolvieren. Danach sollte es seinen Meister machen, um später dann in Peru die Ausbildungsbäckerei leiten zu können. Dieses Projekt – ebenfalls aus Spendengeldern finanziert – bedurfte einer langen Vorbereitung, vieler Gespräche und Kontakten mit Behörden. Im Januar 2013 konnte der junge Mann sein 2,5 jährige Ausbildung bei Goeken Backen antreten. „Das war ein Riesenaufwand, bis es so weit war. Ohne Sie wäre das nicht möglich gewesen“, betonte Müller.

In Ghana wurde auf ihre Initiative hin eine kleine, sehr erfolgreiche Berufsschule eingerichtet. 2007 erfolgte eine Erweiterung der Berufsschule zur Senior-High-School mit weiteren Klassenräumen, Internat und Kantine. Im Kinderdorf In Peru setzte sie den Leitgedanken der Inklusion um: In einem Pilotprojekt werden in Kleinst- bzw. Kleinunternehmen junge Menschen des Kinderdorfes mit und ohne Behinderungen beschäftigt und fertigen Produkte einer Bäckerei oder des Kunsthandwerks an, die anschließend verkauft werden.
Die Situation in Indien erfordere es, auch Kinder von sehr bedürftigen Familien oder Alleinerziehenden aufzunehmen, um ihnen die Chance auf Schulbildung zu ermöglichen. Die Kleinsten werden im Kindergarten spielerisch auf den Ernst des Lebens vorbereitet. Die Größeren besuchen die Schulen im Nachbarort und bekommen anschließend eine ihren Fähigkeiten entsprechende Ausbildung. Im kinderdorfeigenen Industrial Training Center werden Lehrgänge angebotenen, wobei die Teilnahme an diesen auch den Jugendlichen aus den Nachbardörfern offensteht.

In der UNO-Deklaration heiße es zum Schutz des Kindes „Der Mensch schuldet dem Kind das Beste, was er zu geben hat". „Und Sie haben genau das getan. Jeden einzelnen Tag“, betonte der Landrat abschließend.

Für die musikalische Umrahmung sorgten die Schülerinnen Elisabeth Blum und Lea Dubs von der Kreismusikschule mit ihrem Violinenspiel.

 

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