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Kreishaus
Wewelsburg
Pressemeldung vom 07.09.2012

Neid, Ressentiments, Überlegenheitsgefühl - gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen gestern und heute - 4. Wewelsburger Symposium diskutiert am Samstag, 22. September über Mentalitäten und Strömungen, die zu Ausgrenzung, Gewalt und letztlich Völkermord führen – Anmeldung bis zum 18. September möglich

Kreis Paderborn (krpb). Die Geschichte der Menschheit ist immer auch eine Geschichte von Ausgrenzung, Gewalt, Verfolgung und Völkermord. In Wewelsburg hinterließ auch die nationalsozialistische Vernichtungspolitik ihre dunklen und furchtbaren Spuren. Diese zu dokumentieren und zu analysieren ist niemals Selbstzweck sondern „unser unbedingte Wille, die verhängnisvollen Mechanismen der Vergangenheit an einem solch authentischen Ort des Leidens aufzudecken. So können diese in Gegenwart und Zukunft bereits im Ansatz erkannt und gezielt gegengesteuert werden“, sagt Kreisdirektor Heinz Köhler. Beim 4. Wewelsburger Symposium am Samstag, 22. September werden deshalb „gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen – gestern und heute“ - diskutiert. Veranstalter sind das Kreismuseum Wewelsburg und der Förderverein Kreismuseum Wewelsburg e.V..

Nach der Begrüßung um 14 Uhr durch den stellvertretenden Landrat des Kreises Paderborn, Wolfgang Schmitz, und den Vorsitzenden des Fördervereins, Dr. Franz Josef Winter, wird Dr. Isabel Enzenbach vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin zum Thema „Antisemitismus als soziale Praxis“ referieren. Ausgehend von der Entstehung des modernen Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert Enzenbach die überlieferten Traditionen und neuartigen judenfeindlichen Ressentiments. Anhand von Alltagsobjekten wie Postkarten, Karikaturen und Aufklebern erläutet sie die wesentlichen Bilder und Semantiken des Antisemitismus. Das Feindbild wird dabei nicht nur als antimoderne Weltanschauung, sondern auch als soziale und kommunikative Praxis beschrieben.

Dr. Silke Schneider; Lehrbeauftragte an der Evangelischen Hochschule Berlin, berichtet über völkisches Denken und Antisemitismus aus der Gender-Perspektive. Beispiele geschlechtsspezifischer Ressentiments werden vorgestellt und feministische Reaktionen und Positionierungsversuche diskutiert.

Dr. Volker Weiß, Lehrbeauftragter an der Universität Hamburg, analysiert abschließend aktuelles Elitedenken und Überlegenheitsdünkel in Deutschland. Er schlägt dabei einen historischen Bogen von deutschsprachigen Autoren seit Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Sarrazin-Debatte" und zeichnet einen Wandel in der Debatte nach. Hatte nach 1945 die Beschwörung eines kulturellen und nationalen Verfalls der „Untergangsliteratur“ vor allem in den Kreisen der „Neuen Rechten“ Anklang gefunden, so wurden deren Inhalte im Schatten von "Deutschland schafft sich ab" auf der breiten politischen Bühne diskutiert.

Nach jedem Vortrag besteht die Möglichkeit, im Plenum Fragen an die Referenten zu stellen, eine größere Diskussionsrunde beschließt das Symposium."Wir möchten sensibilisieren und helfen, populistische Töne und Ansichten zu erkennen und ihnen widerstehen bzw. sie revidieren zu können“, benennt Museumsleiterin Kirsten John-Stucke das Ziel des Symposiums. Die Veranstaltung endet voraussichtlich um 18 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Um Anmeldung wird bis zum 18. September unter der 02955 / 76 220 (Kreismuseum Wewelsburg) gebeten.

Mehr Infos im Internet: www.wewelsburg.de.

Hintergrund zu den Referenten:


Dr. Isabel Enzenbach ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind jüdische Geschichte und Gegenwart sowie insbesondere die europäische Unterrichtspraxis zur Vermittlung von Wissen über Antisemitismus.

Dr. Silke Schneider ist Politikwissenschaftlerin und hat mit einer Arbeit über „Verbotener Umgang. Ausländer und Deutsche im Nationalsozialismus“ promoviert. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind politische Kulturforschung und historische Grundlagen der Politik, Diskursanalyse sowie Theorie und Politik der Geschlechterverhältnisse. Silke Schneider ist z. Zt. Lehrbeauftragte der Evangelischen Hochschule Berlin und seit 1999 Mitherausgeberin der Femina Politica. Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft.

Dr. Volker Weiß ist Historiker und Publizist, Lehrbeauftragter am Fachbereich Geschichte der Universität Hamburg und Autor zahlreicher Aufsätze und Artikel zur Geschichte und Gegenwart der extremen Rechten. Er ist Mitglied im Villigster Forschungsforum zu Nationalsozialismus, Rassismus und Antisemitismus e.V. 2009 promovierte er mit der Arbeit "Moderne Antimoderne. Arthur Moeller van den Bruck und der Wandel des Konservatismus in Deutschland". Paderborn (Schöningh) 2012.
Er ist Autor des Buches "Deutschlands Neue Rechte. Angriff der Eliten von Spengler bis Sarrazin". Paderborn (Schöningh) 2011.

Die Einladung zur Veranstaltung finden Sie hier.

 

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