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21. Oktober 2026

Weiterentwicklung der Hilfen für hochbelastete Menschen

Stadt und Kreis stellen „Wohnen Plus“ vor und beraten die Weiterentwicklung des Hilfesystems

Stadt und Kreis Paderborn wollen die Hilfen für besonders hochbelastete Menschen weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen geeignete Unterstützung für die Betroffenen und eine Entlastung der Bürgerschaft bei wiederkehrenden Krisen und Konflikten im öffentlichen Raum. Die Ergebnisse des gemeinsamen Arbeitsprozesses und der Ansatz „Wohnen Plus“ wurden am Dienstag, 13. Oktober, in einer gemeinsamen Sitzung des städtischen Ausschusses für Soziales, Senioren und Inklusion und des Sozial- und Gesundheitsausschusses des Kreises vorgestellt. Die Mitglieder nahmen die Ausführungen zur Kenntnis, hinterfragten und diskutierten sie. Eine abschließende Entscheidung wurde nicht getroffen.
Vom Prüfauftrag zur fachlichen Bedarfsprüfung
Ausgangspunkt waren politische Aufträge der Stadt zur Prüfung des Standortes für einen Drogenkonsumraum beziehungsweise in der Folge für ein Drogenhilfezentrum. Der Auftrag des Kreises sah ergebnisoffene Gespräche mit der Stadt über den Standort für einen Drogenkonsumraum/Drogenhilfezentrum vor; die Ergebnisse standen unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit.
In zwei gemeinsamen Fachworkshops im Frühjahr und Sommer untersuchten Stadt, Kreis und beteiligte Fachstellen, welche Menschen durch die bestehenden Angebote, erweitert um ggfls. einen Drogenkonsumraum/Drogenhilfezentrum, erreicht werden, bei wem Hilfeverläufe abbrechen und welche Unterstützung fehlt. Die vorhandenen Hilfen wurden als grundsätzlich leistungsfähig und abgestimmt beschrieben. Bei einer besonders belasteten Personengruppe stoßen sie jedoch an Grenzen, weil geeignete Wohn- und Stabilisierungsmöglichkeiten fehlen.
Bei diesen Menschen kommen fehlende oder instabile Wohnverhältnisse, psychische Erkrankungen, suchtbezogene Belastungen und wiederkehrende Krisen zusammen. Ohne tragfähige Wohnperspektive droht nach einer Behandlung die Rückkehr in Wohnungslosigkeit und erneute Krisen. Deshalb wurde „Wohnen und Stabilisierung“ bereits im ersten Workshop als zu priorisierendes Handlungsfeld gesehen.

Fachliche Einschätzung der Personengruppe

Die für die Sitzung präzisierte Eingrenzung der Personengruppe umfasst etwa 50 bis 150 Menschen mit instabilen Lebenslagen, darin rund 20 bis 30 besonders belastete Menschen und eine engere Kerngruppe von etwa 15 bis 20 Personen. In der Diskussion wurde die Zahl der Betroffenen als zunehmend eingeschätzt, auch innerhalb der besonders belasteten Kerngruppe. Die Größenordnungen und die Einschätzung des Anstiegs beruhen auf fachlichen Erfahrungen, nicht auf einer statistischen Vollerhebung. 

Unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Bedarfe

Drogenkonsumraum, Drogenhilfezentrum und „Wohnen Plus“ erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Werkzeugkasten der Hilfen, schließen aber einander nicht aus. Ein Drogenkonsumraum setzt bei den gesundheitlichen Risiken des Konsums und dem Zugang zu weiterführenden Hilfen an. „Wohnen Plus“ verbindet einen verlässlichen Wohnort mit kontinuierlicher Begleitung und der Anbindung an medizinische und soziale Hilfen. Der Kreis stellte diesen Arbeitsansatz in der Sitzung vor. Er soll eine Stabilisierung auch dort ermöglichen, wo kurzfristige Unterbringung oder einzelne Hilfekontakte bislang nicht ausreichen.
Die Ansätze können sich ergänzen. In der Diskussion ging es deshalb um die Priorität der Handlungsfelder und die Voraussetzungen eines wirksamen Betriebs, nicht um eine grundsätzliche Entscheidung für oder gegen einzelne Hilfen. Für einen Drogenkonsumraum beziehungsweise ein Drogenhilfezentrum wurden ausreichende Öffnungszeiten und eine entsprechende personelle Ausstattung als wesentlich hervorgehoben. Damit verbunden sind Personal- und Betriebskosten, die durch die Stadt zu finanzieren wären. Ein solches Angebot stellt jedoch keinen Wohnraum bereit.
„Wohnen Plus“ soll die bestehenden Angebote ergänzen und wäre für den Betrieb aus Mitteln des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sowie Mitteln des Bundes und des Kreises Paderborn zu finanzieren.


Hilfe und Entlastung als gemeinsames Ziel

Die Überlegungen sollen sowohl dem Unterstützungsbedarf der Betroffenen als auch dem Anliegen der Bürgerschaft nach Entlastung im öffentlichen Raum nachkommen. Ein stabiler Wohnort, feste Bezugspersonen und abgestimmte Krisenhilfe sollen wiederkehrende Krisen und damit verbundene Konflikte im öffentlichen Raum verringern sowie vorhandene Dienste, die vielfach wiederkehrend in Krisensituationen eingreifen müssen, entlasten. Verlässliche Ansprechpersonen und klare Beschwerdewege sollen auch das Umfeld eines möglichen Angebots schützen. Diese Wirkungen sind für Paderborn bislang nicht belegt, werden jedoch aus anderen Kommunen geschildert. Eine vollständige Entlastung der Innenstadt oder bestimmte Einsparungen werden nicht zugesagt.

Fachliche Priorisierung und weiteres Vorgehen

Die fachliche Priorisierung von Wohnen und Stabilisierung führte gemeinsam mit der Frage der finanziellen Machbarkeit zum Vorschlag der Stadtverwaltung, die aktuelle Prüfung eines Drogenkonsumraums beziehungsweise Drogenhilfezentrums mit Drogenkonsumraum abzuschließen und mit dem Kreis an „Wohnen Plus“ weiterzuarbeiten. Damit wird dem Instrument nicht grundsätzlich die fachliche Berechtigung abgesprochen. Entscheidend ist, welche Hilfen für die festgestellten Bedarfe zunächst Vorrang haben und unter welchen Rahmenbedingungen sie verlässlich umgesetzt werden können.
Zu klären sind beispielsweise Standort, Gebäude- und Umbaukosten. Die Fraktionen werden die vorgestellten Ergebnisse nun beraten. Eine abschließende Entscheidung über das weitere Vorgehen soll in einer der nächsten Sitzungen der jeweiligen Ausschüsse erfolgen. Über Umsetzung und haushaltswirksame Verpflichtungen ist gesondert zu entscheiden.

 
 
 

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