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Kreishaus
Wewelsburg

17. März 2021

Gegen die Einsamkeit – Tablets für Senioren

Nolte Stiftung fördert Projekt des Kreises in Pflegeheimen

zu sehen sind Projektbeteiligte mit Tablets 
Tablets verbindet ältere Menschen mit der Welt außerhalb des Heimes – v.l.: Margot Becker vom Sozialamt Kreis Paderborn, Birgit Heckers (Vertretung der Arbeitsgemeinschaft der Pflegeeinrichtungen der gemeinnützigen Träger im Kreis Paderborn) und Landrat Christoph Rüther. Terminbedingt fehlt: Christiane Wolf, Vertretung der Arbeitsgemeinschaft der Pflegeeinrichtungen der privaten Träger im Kreis Paderborn

Die Enkel ziehen zum Studium weg, weiter entfernt wohnende Verwandten können nicht mehr besucht werden, Freunde und Bekannte versterben – schon vor Corona war Einsamkeit eine häufiger Begleiter von Seniorinnen und Senioren in Alten- und Pflegeheimen. Richtig eingesetzt können Tablets hier eine Unterstützung sein, um die Kommunikation nach außen, aber auch den Spaß und die Interaktion unter den Bewohnerinnen und Bewohnern zu stärken. Deshalb fördert die „Heinrich und Anny Nolte Stiftung“ mit rund 30.000 Euro den Kauf von Tablets für Senioreneinrichtungen im Paderborner Kreisgebiet sowie die Schulung der Betreuungskräfte.

„Die Stiftung hat den Kreis kontaktiert und angeboten, ein Projekt im Bereich der Altenhilfe im Heimatkreis der Stifterin zu fördern. Da haben sich unsere Fachkräfte im Sozialamt natürlich sofort gekümmert“, sagt Landrat Christoph Rüther. Kurze Zeit später stand ein Konzept und es ging eine Abfrage an alle vollstationären Alten- und Pflegeeinrichtungen im Kreisgebiet raus. Ergebnis: Von 39 Einrichtungen hatten 35 Interesse, an dem Projekt teilzunehmen. Nur vier Einrichtungen waren bereits mit Tablets für die Bewohner versorgt. „Die Technisierung und Digitalisierung hat in die Pflegeeinrichtungen längst Einzug gehalten, zum Beispiel bei der Pflegedokumentation. Aber in der sozialen Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner sind digitale Geräte noch selten im Einsatz“, berichten Birgit Heckers und Christiane Wolf, Leiterinnen des „Evangelischen Martinstiftes“ Bad Lippspringe und der Pflegestation „St. Antonius“ der Aatalklinik Bad Wünnenberg. Sie sehen für Tablets vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Die digitalen Helfer sorgen für Beschäftigung und Unterhaltung, indem sie den regelmäßigen Austausch mit Kindern, Enkelkindern und Freunden ermöglichen – in der jetzigen Corona-Krise, aber auch darüber hinaus. Einzeln oder in der Gruppe können sie auch für Spiele, Rätseln, Lesen oder Gedächtnisübungen eingesetzt werden. „Eine gemeinsame Nutzung sorgt für viel Freude und Austausch untereinander. Auch in der Biographie-Arbeit mit unseren an Demenz erkrankten Bewohnern können sie eingesetzt werden, um zum Beispiel digitale Fotoalben zu erstellen“, so die beiden Einrichtungsleitungen.

Wenn die Corona-Schutzverordnung es zulässt, wird der Kreis eine Schulung über den richtigen Einsatz der Tabletts für Betreuungskräfte von vollstationären Alten- und Pflegeeinrichtungen anbieten. Maximal fünf Tablets pro Einrichtung fördert die Stiftung. Laut Konzept des Kreissozialamtes sollten die Geräte über einen Bildschirm von mindestens 10 Zoll, Software für Videotelefonie sowie Seh- und Hörhilfen verfügen. „Natürlich kann Technik die persönliche Begegnung nicht ersetzen. Aber sie ist ein Hilfsmittel, um Kontakte und gemeinsame Aktivitäten zu ermöglichen“, freut sich Christoph Rüther. Der Landrat, Birgit Heckers und Christiane Wolf – als Sprecherinnen der Arbeitsgemeinschaft der freigemeinnützigen und privaten stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis – bedanken sich bei der Stiftung für die Förderung des Projekts.

Die „Heinrich und Anny Nolte Stiftung“ wurde 2005 von der Delbrücker Unternehmerin gegründet. Sie fördert seitdem vielfältige Projekte in Kunst und Kultur sowie in der Jugend- und Altenhilfe.

Interesse älterer Menschen an Digitalisierung ist groß
Nicht nur in Alten- und Pflegeheimen: Senioren im Kreis Paderborn haben großes Interesse an der Digitalisierung. Das ergab eine Umfrage des Kreises Ende des vergangenen Jahres, die sich an Bürger über 60 Jahre richtete. 77 Prozent der Befragungsteilnehmer gaben an, das Internet täglich zu benutzen. „Doch unsere Umfrage zeigt auch deutlich, ein Smartphone oder WLAN zu haben, reicht alleine nicht aus. Viele der befragten Senioren fühlen sich unsicher, haben die Sorge, etwas kaputt zu machen und es fehlt ihnen Wissen, wie die Geräte und Anwendungen funktionieren“, erklärt Sozialplanerin Margot Becker vom Paderborner Kreissozialamt. Einige holen sich Hilfe in der Familie oder im Fachhandel. „Bin mit 100 zu faul, lass mir gerne helfen“, war der gut gelaunte Kommentar einer Umfrageteilnehmerin dazu. Doch viele wünschen sich mehr Tablet- oder Smartphone-Kurse für ältere Menschen und eine offene Anlaufstelle, an die sie sich bei Fragen wenden können. „Wir als Kreis wollen die älteren Menschen auf dem Weg in die Digitalisierung unterstützen indem wir im Rahmen unserer Sozialplanung diese Wünsche der älteren Bürgerinnen und Bürger aufnehmen, vorhandene Angebote zum Beispiel über das Pflegeportal bekannter machen und uns für neue wohnortnahe Unterstützungsangebote einsetzen“, erklärt Landrat Christoph Rüther.

Die vollständige Auswertung der kreisweiten Befragung von Seniorinnen und Senioren zum Thema Digitalisierung ist nachzulesen im Pflegeportal des Kreises im  Pflegeportal des Kreises Paderborn, Stichwort „Digitale und technische Unterstützung“. Hier finden sich auch Informationen zu Kursen, ehrenamtlichen Unterstützungsangeboten und ähnliches für ältere Menschen in den Bereichen Medienkompetenz und technische Assistenzsysteme.

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