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Kreishaus
Wewelsburg

19. März 2019

Keine Region hängen lassen

170 Teilnehmer im Bürgerhaus Upsprunge wollen über die Zukunft des Dorfes mitdiskutieren

Zu sehen sind die Redner auf der Dorfentwicklungskonferenz 
Kämpfen für die Zukunft der Dörfer vorne v.l. Prof. Holger Magel, Edith Rehmann-Decker (Leiterin Servicestelle Wirtschaft Kreis Paderborn), Landrat Manfred Müller, hinten: Dr. Michael Schaloske (Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW), Bürgermeister Ulrich Berger und Annette Mühlenhoff (Dezernentin Kreis Paderborn).

„Wir wollen es schaffen, dass die Menschen auch noch in 30 Jahren gerne und gut auf dem Land leben“, gibt Landrat Manfred Müller gleich zu Beginn das Ziel der Veranstaltung vor. Am Samstag fand zum fünften Mal im Kreis Paderborn die Dorfentwicklungskonferenz statt – diesmal war sie zu Gast im Dorf Upsprunge. Rund 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren ins vollbesetzte Bürgerhaus gekommen, um unter dem Motto „Landlust oder Landfrust?!“ über die Zukunft des Dorfes mitzudiskutieren.

„In Sachen Glasfaser ist Bayern im Vergleich zum Kreis Paderborn noch ein Entwicklungsland“, stellte der Hauptredner Prof. Holger Magel aus München fest und hatte die Lacher des Publikums damit gleich zu Beginn auf seiner Seite. In seinem launigen Vortrag ging der „Papst der Dorferneuerung“, wie ihn einst die Süddeutsche Zeitung taufte, der Frage nach, wie gleichwertige Lebensbedingungen in Stadt und auf dem Land erreicht werden können. Überall, so moniert er, würden nun Heimatministerien und Kommissionen entstehen, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Dabei sei die Gleichwertigkeit beider Lebensräume bereits im Grundgesetz festgeschrieben. Nur habe es die Politik in den letzten Jahrzehnten versäumt, entsprechende Bedingungen zu schaffen.

Dass es eine tiefsitzende Landlust gibt, ist klar. Prof. Magel zitiert eine aktuelle Umfrage, nach der 78 Prozent der Deutschen von einem Leben auf dem Land träumen. Doch Stadtflüchtlinge auf der Suche nach dem ländlichen Idyll sind dann oft mit der romantischen Realität von unzureichender Infrastruktur wie einem Mangel an Ärzten, Bildungseinrichtung, Einkaufsmöglichkeit oder langsamen Internet konfrontiert. „Es darf nicht sein, dass wir einzelne Regionen einfach hängen lassen“, schimpft der leidenschaftliche Dorferneuerer und erntet dafür spontanen Szenenapplaus von den Zuhörern. Seine Forderung: So wie man auch in einer Familie dem schwächsten Mitglied hilft, müsse auch in die Dörfer investiert werden statt immer eine ökonomische Kosten-Nutzen-Rechnung vorzuschieben. „Wenn man mit Politikern spricht, stehen Wachstum und Profit im Mittelpunkt. Es geht bei dem Wunsch, ländlich zu leben, aber nicht allein um ökonomisches Streben. Es geht darum, sich wohl und geborgen zu fühlen«, sagt Magel.

Um konkrete Projekte ging es im zweiten Teil dieser Dorfentwicklungskonferenz. Zum Beispiel stellte Mario Hecker, Bürgermeister der lippischen Gemeinde Kalletal die App „DORnet“ vor. Darüber kann zum Beispiel ein Dorf-Auto reserviert werden, das allen Bürgern für Fahrten zur Verfügung steht. Aus Holland kommt die Idee, Nachbarschaften und Dörfern ein eigenes Budget zu geben, das die Bürger selbst für Projekte und Verschönerungsmaßnahmen ausgeben dürfen. Und Sonja Theile-Ochel zeigte, wie Selbstständige dank der Digitalisierung für ihr kleines Unternehmen mehr Sichtbarkeit erreichen.

„Die große Kraft des Dorfes ist seine soziale Stärke“, ist Landrat Manfred Müller überzeugt. Deswegen ist er sich sicher: Das Comeback des Dorfes kann gelingen! Ein Anfang ist mit dieser Dorfentwicklungskonferenz gemacht.

 
 
 

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