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Wewelsburg

30. Juli 2020

Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Flughafens Paderborn/Lippstadt beschließen Konzept für die Sanierung und Fortführung eines zukunftsfähigen Airports Paderborn/Lippstadt

Kreistage der Anteilseigner entscheiden voraussichtlich Ende September, Anfang Oktober .

Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung beschließen Sanierungs- und Fortführungskonzept. 
Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Flughafens Paderborn/Lippstadt beschließen Konzept für die Sanierung und Fortführung eines zukunftsfähigen Airports Paderborn/Lippstadt.

Die Corona-Pandemie mit dem Wegbrechen nahezu aller Einnahmen hat die wirtschaftliche Situation am Flughafen Paderborn-Lippstadt so sehr verschärft, dass der Airport nun innerhalb des nächsten halben Jahres in allen Bereichen neu aufgestellt werden muss. „Von Land und Bund haben wir bisher keine Zusagen erhalten. Alle Gesellschafter müssen jetzt zusammenstehen und diese Sanierungsphase durchstehen und finanzieren“, betonte Paderborns Landrat Manfred Müller, Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen Paderborn/Lippstadt GmbH, in den jüngsten Sitzungen der Flughafengremien.

Fest stand bereits Ende Juni, dass der Flughafen seine Kapazitäten zunächst deutlich herunterfahren, seine Kosten an die zu erwartenden Erlöse anpassen muss, um dann in besseren Zeiten wieder hoch fahren zu können. Wegen der Corona-Krise fallen trotz hoher Kurzarbeitsquote monatliche Verluste in Höhe von rund 700.000 Euro an. Deshalb war umgehend ein Sanierungsmodell und Fortführungskonzept gefordert worden, das diese Zielsetzung dauerhaft und krisenbeständig sicherstellt. Das seitens der Geschäftsführung entwickelte Konzept, das von einem Hamburger Sachverständigen überprüft und für wirtschaftlich sinnvoll und notwendig befunden wurde, wurde nun in den Gremien des Flughafens vorgestellt. Ziel ist es, den Flughafen Paderborn-Lippstadt als Verkehrsflughafen weiterzuführen, also dass von dort aus weiter Großflugzeuge starten und landen können. Ein wichtiger Hebel ist die Dimensionierung der vorhandenen, eigenen Abfertigungskapazitäten bis hin zu einer Größenordnung von 300.000 Flugpassagieren pro Jahr in Linien- und touristischen Verkehren. Diese Maßnahme erhöht die Krisenbeständigkeit des Flughafens, da auch bei einem starken Rückgang der Passagierzahlen und damit der Erlöse die Liquidität aufrechterhalten werden kann. Das Konzept beinhaltet drei mögliche Szenarien für die Entwicklung des Jahresergebnisses (positiv, realistisch, negativ) nach durchgeführter Sanierung. In allen drei Fällen könnte der Zuschuss der Gesellschafter auf 2,5 Millionen Euro pro Jahr begrenzt werden. Gleichzeitig kann der Flughafen in besseren Zeiten, bei steigender Nachfrage, durch den befristeten Zukauf von Personalressourcen seine eigene Abfertigungskapazität bis zum infrastrukturellen Limit des Flughafens erhöhen. Die Sanierung und Fortführung erfordert jedoch, dass der Flughafen sich von einem erheblichen Teil seiner Mitarbeitenden trennen muss. Landrat Manfred Müller bezeichnete in den Gremien diesen Schritt als „extrem bitter und schmerzlich“. In einem Schreiben bat er bereits die Anteilseigner, mitzuhelfen, möglichst vielen im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben andere Arbeitsplätze anzubieten. Er kündigte eine Arbeitsgruppe in Kooperation mit der Arbeitsagentur an, um diese Beschäftigte wieder in Arbeit zu vermitteln.

Landrat Manfred Müller: Die zukunftsfähige Neuausrichtung des Flughafens gelingt nur, wenn alle Gesellschafter in ost- und südwestfälischer Solidarität zusammenstehen“.

Die Insolvenzen der touristischen Fluggesellschaften, Air Berlin, Germania, Small Planet, dann die Insolvenz des Thomas Cook Konzerns im Herbst vergangenen Jahres, die Konzentration weiterer Fluggesellschaften auf die größeren Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn, Hannover, hatten bereits zu Rückgängen geführt. Dann kam Corona und machte nicht nur dem Heimathafen einen dicken Strich durch die Rechnung. Durch den Wegfall des Flugbetriebs brachen die Einnahmen fast komplett weg. Erst seit kurzem, aufgrund der Urlaubszeit, ist eine leichte Belebung des Flugverkehrs zu verzeichnen. Der Paderborner Kreistag hatte sich im Juni einstimmig für die Fortführung des Airports Paderborn Lippstadt auf „Basis einer wirtschaftlich fundierten Umstrukturierung“ ausgesprochen und mit einer Finanzspritze von bis zu 2,7 Millionen Euro unterstützt, um die Liquidität vorerst sicherzustellen. Dies geschieht durch Umwidmung von sowieso für die Verlustabdeckung bzw. Investitionen am Flughafen vorgesehene Mittel. Doch das wird nicht lange reichen. Bereits auf der Sitzung von Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung Ende Juni war deutlich geworden: Ein „weiter so“ kann es nicht geben. Ohne ein Sanierungs- und Fortführungskonzept, dessen Umsetzung von den Gesellschaftern finanziert wird, kann der Flughafen diese schwere Corona-Krise nicht überstehen. Eine Neuausrichtung ist auch zwingend, weil derzeit niemand sicher prognostizieren kann, wie der Flugverkehr nach der Corona-Pandemie aussehen wird.

Landrat Manfred Müller betonte noch einmal in den Gremien, dass „die zukunftsfähige Neuausrichtung des Flughafens nur gelingt, wenn alle Gesellschafter in ost- und südwestfälischer Solidarität zusammenstehen“. Das jetzt vorgelegte Konzept sichere die Zukunft des seit über 50 Jahre bestehenden Flughafens als Standortfaktor für eine prosperierende Wirtschaft und Heimathafen für die Menschen der Region.

Die Weichen sind gestellt: Die Finanzierungsmittel für das jetzt beschlossene Sanierungsmodell und Fortführungskonzept müssen die Kreistage der kommunalen Gesellschafter, das sind die Kreise Höxter, Gütersloh, Hochsauerlandkreis, Lippe, Soest und Paderborn sowie der Rat der Stadt Bielefeld beschließen. Dafür gibt es mehrere Optionen, die im Detail noch verhandelt werden müssen. Die Gremien tagen voraussichtlich Ende September, Anfang Oktober.

Gesellschafter des Paderborn Lippstadt Airports sind die Kreise Paderborn (56,38 %), Soest (12,26 %), Gütersloh und Lippe mit je 7,84 %, Hochsauerlandkreis und Höxter mit je 3,92 %, Stadt Bielefeld (5,88 %) sowie die IHK Bielefeld (1,57 %) und IHK Detmold (0,39 %).

 
 
 

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