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Kreishaus
Wewelsburg

21. November 2022

Magdeburg – Sachsenhausen – Niederhagen/Wewelsburg

Wege verfolgter Sinti und Roma im KZ-System nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938

- Vortrag von Verena Meier am Donnerstag, den 24. November, 19 Uhr im Kreismuseum Wewelsburg

Magdeburg – Sachsenhausen – Niederhagen/Wewelsburg. Wege verfolgter Sinti und Roma im KZ-System nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938 
Magdeburg – Sachsenhausen – Niederhagen/Wewelsburg. Wege verfolgter Sinti und Roma im KZ-System nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938

Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges bildeten KZ-Häftlinge mit dem schwarzen Winkel - sogenannte „Asoziale“ - die größte Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern. Mit dem Erlass zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ vom 14. Dezember 1937 ermächtigte der Reichsinnenminister Wilhelm Frick die Kriminalpolizei, KZ-Einweisungen vorzunehmen. 1938 folgten größere Verhaftungswellen durch die Gestapo und Kripo im gesamten Deutschen Reich. Unter den Verfolgten waren zahlreiche männliche Sinti und Roma. Nach dem Ende des Kriegs hatten sie Schwierigkeiten, eine Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zu erlangen, da beide deutschen Staaten u.a. weiter argumentierten, dass es sich um „präventive Kriminalitätsbekämpfung“ gehandelt habe und antiziganistische Vorurteile weiter tradiert wurden.

Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges bildeten KZ-Häftlinge mit dem schwarzen Winkel - sogenannte „Asoziale“ - die größte Häftlingsgruppe in den Konzentrationslagern. Mit dem Erlass zur „vorbeugenden Verbrechensbekämpfung“ vom 14. Dezember 1937 ermächtigte der Reichsinnenminister Wilhelm Frick die Kriminalpolizei, KZ-Einweisungen vorzunehmen. 1938 folgten größere Verhaftungswellen durch die Gestapo und Kripo im gesamten Deutschen Reich. Unter den Verfolgten waren zahlreiche männliche Sinti und Roma. Nach dem Ende des Kriegs hatten sie Schwierigkeiten, eine Anerkennung als Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung zu erlangen, da beide deutschen Staaten u.a. weiter argumentierten, dass es sich um „präventive Kriminalitätsbekämpfung“ gehandelt habe und antiziganistische Vorurteile weiter tradiert wurden.

Die Verfolgung von Mitgliedern der Minderheit der Sinti und Roma während der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus sowie ihre Vor- und Nachgeschichte steht im Mittelpunkt zweier Vorträge. Verena Meier, Historikerin und Doktorandin an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg, wird am kommenden Donnerstag, den 24. November um 19 Uhr im Filmraum des Kreismuseums Wewelsburg einen Vortrag mit dem Titel „Magdeburg – Sachsenhausen – Niederhagen/Wewelsburg. Wege verfolgter Sinti und Roma im KZ-System nach der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ 1938“ halten.
Die Referentin beleuchtet das Handeln der verantwortlichen Täterinnen und Täter der Kriminalpolizei in Magdeburg und richtet den Fokus auf die Deportation männlicher Sinti und Roma aus dem Raum Magdeburg im Zuge der Aktion „Arbeitsscheu Reich“ im Juni 1938 in die Konzentrationslager Buchenwald und Sachsenhausen. Einige von ihnen wurden im September 1941 vom KZ Sachsenhausen in das KZ Niederhagen verlegt. Auf diesen Häftlingen wird der biografische Fokus des Vortrags liegen.
Ein genaues Bild über die Deportationspraxis und die arbeitsteilige Täterschaft im Zuge dieser KZ-Einweisungen sowie die Handlungsspielräume der Verfolgten und Formen des Widerstandes geben die Gefangenenbücher des Polizeigefängnisses sowie die kriminalpolizeilichen Personalakten. Diese Überlieferungen bilden den Ausgangspunkt des quellenbasierten Vortrags.
Der Zugang zum Filmraum erfolgt über die Erinnerungs- und Gedenkstätte am Vorplatz der Wewelsburg, der Eintritt ist frei.

Bereits am Mittwoch, den 23. November wird die Referentin um 18 Uhr in der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne über die arbeitsteilig umgesetzte Verfolgung der Sinti und Roma am Beispiel Magdeburg referieren. Der dortige Vortrag findet in der ehemaligen „Entlausung“ des Stalag 326 (VI K) Senne statt.

Beide Vorträge finden als Kooperation des Kreismuseums Wewelsburg mit der Gedenkstätte Stalag 326 statt. Anlass hierfür ist die Sonderausstellung „Rassendiagnose Zigeuner. Der Völkermord an den Sinti und Roma und der lange Weg der Anerkennung“, die seit dem 9. Oktober im Stadtmuseum Paderborn gezeigt wird. Die Wanderausstellung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma führt die Geschichte der Verfolgung von der Ausgrenzung und Entrechtung der Minderheit im Deutschen Reich bis zu ihrer systematischen Vernichtung im besetzten Europa vor Augen. Schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma wurden in Europa von den Nationalsozialisten ermordet. Ergänzt wird die Ausstellung durch einen Beitrag über die Geschichte der Sinti und Roma in Paderborn, der durch das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn erarbeitet worden ist.

Hintergrund zur Referentin:

Verena Meier studierte Geschichte, Anglistik, Europäische Kunstgeschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Hebrew University Jerusalem. In verschiedenen Funktionen war sie tätig für das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, die Gedenkstätte Grafeneck, das Jerusalemer Dokumentationszentrum Juden in Nordafrika während des Zweiten Weltkriegs, Stiftung Topografie des Terrors, Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und im Landesarchiv Sachsen-Anhalt. Seit 2018 ist sie Doktorandin an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg (Arbeitstitel des Dissertationsprojektes: „Kriminalpolizei und Völkermord. Die nationalsozialistische Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja in Magdeburg und die Aufarbeitung dessen unter den Alliierten sowie in der DDR“). Ihre Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Minderheitengeschichte, Ideengeschichte, Tätergeschichte und der historischen Antisemitismus- und Antiziganismusforschung.

 
 
 

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