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Kreishaus
Wewelsburg

23. Juli 2019

Neue Wege aus OWL in der Notfallversorgung

Landrat Manfred Müller zum Notfallplan von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Freue mich sehr, dass unser Pilotprojekt Pate gestanden hat“

Schon seid Juli 2018 kooperieren die Kreise Lippe, Höxter und Paderborn in der ambulanten und klinischen Versorgung sowie dem Rettungsdienst. © Foto: Kreis Paderborn 
Schon seid Juli 2018 kooperieren die Kreise Lippe, Höxter und Paderborn in der ambulanten und klinischen Versorgung sowie dem Rettungsdienst. © Foto: Kreis Paderborn

Ein Schnupfen ist sicherlich kein Notfall. Ein umgeknickter Fuß dürfte auch warten können, bis die Hausarztpraxis wieder geöffnet hat. Und doch verstopfen auch solche Fälle die Notfallambulanzen vieler Krankenhäuser. Das hat zur Folge, dass Menschen, die ernsthaft erkrankt sind, mitunter warten müssen und wertvolle Zeit verstreicht. „Wir haben uns deshalb bereits im Juli 2018 gemeinsam mit den Kreisen Höxter und Lippe entschlossen, ambulante und klinische Versorgung sowie den Rettungsdienst miteinander zu verzahnen“, sagt Paderborns Landrat Manfred Müller. „Ich freue mich sehr, dass unser Pilotprojekt in OWL Pate gestanden hat für die Idee von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Notfallnummer 112 und die Nummer für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst 116117 über die Leitstelle zusammenzuschalten“, bekräftigt Müller.

 
Der Paderborner Landrat zeigt sich überzeugt, dass diese Verzahnung in der Notfallversorgung im Sinne der Patienten ist und dazu beiträgt, die Notfallversorgung wirtschaftlicher zu machen: Die Zuordnung der Patienten durch geschultes Personal vermeide unnötige Rettungsdienstfahrten, entlaste die Notfallambulanzen und reduziere die Wartezeiten. Letztlich könnten die Bürgerinnen und Bürger in vielen Fällen nicht wissen, ob sie nun wirklich ernsthaft erkrankt seien oder das Unwohlsein warten kann, bis die Hausarztpraxis wieder geöffnet hat.

Der Bereitschaftsdienst ist bundesweit über die zentrale Rufnummer 116117 erreichbar. Anrufer aus Nordrhein-Westfalen werden dann mit der Arztrufzentrale in Duisburg verbunden und erfahren, wo sich die nächste ambulante Notfalldienstpraxis befindet. Gegebenenfalls wird auch ein Hausbesuch eines Arztes vermittelt. So sollte es eigentlich funktionieren. In der Praxis gehen jedoch viele gleich in die Notaufnahmen der Krankenhäuser oder rufen über die 112 den Rettungsdienst.

Deshalb haben sich die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn zusammen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) dazu entschlossen, die Anrufe für die 116117 aus den drei Kreisen künftig über die lokalen Leitstellen zu disponieren, zunächst über die Leitstelle im Kreis Lippe. Die örtlichen Notrufe 112 landen also nach wie vor in der jeweiligen Leitstelle der Kreise Höxter, Lippe und Paderborn. Wählen die Höxteraner, Lipper oder Paderborner in medizinisch unkritischen Situationen den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, so landen diese Anrufe in der Leitstelle des Kreises Lippe. Das hat auch den Vorteil, dass die Anrufer immer mit geschulten Kräften sprechen, die die Infrastruktur vor Ort kennen. Die KVWL trägt die laufenden Kosten des Modellprojekts in Höhe von 900.000 Euro, verteilt über drei Jahre. Das Projekt läuft noch bis Juni 2021. Danach wollen die Beteiligten auswerten, welche Verbesserungen dadurch in der Akut- und Notfallversorgung erzielt werden konnten.
Landrat Manfred Müller
Über 800.000 Menschen der Kreise Höxter, Lippe und Paderborn profitieren von dieser interkommunalen Zusammenarbeit, die bereits im April 2014 begann: Die Kreise Höxter, Lippe und Paderborn investierten seitdem in die Vernetzung ihrer Leitstellen für Feuerwehr, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz. Auch mit diesem Blick über den kommunalen Tellerrand spielten sie bereits eine Vorreiterrolle in NRW. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass Krisen wie z. B. Stürme oder Großbrände nicht an Kreisgrenzen halt machen. Durch ein erhöhtes Einsatzaufkommen könnten Notrufleitungen überlastet sein. Technische Störungen könnten eine Leitstelle auch mal ganz oder zum Teil ausfallen und damit das Herz der Einsatzsteuerung über längere Zeit aus dem Takt bringen. Ein Szenario, dass sich wirklich niemand vorstellen möchte: Dann stände den Einwohnern des betroffenen Kreises kein Notruf mehr zur Verfügung. Genau das soll durch die Vernetzung verhindert werden.

Die Zusammenarbeit der drei Kommunen zur Optimierung der Notfallversorgung geht weiter: Der Kreis Paderborn erarbeitet derzeit federführend für alle drei Kreise die Einführung eines Telenotarztsystems. Durch den demografischen Wandel werden die Menschen immer älter und brauchen verstärkt ärztliche Versorgung. Gleichzeitig lässt die Digitalisierung räumliche Grenzen verschwinden. Ein Telenotarzt stünde den Rettungskräften mit medizinischen Rat zur Seite, ohne selbst vor Ort zu sein. Über Headsets und Kameras in den Rettungswagen bekommt die Notärztin oder der Notarzt Informationen über den Patientenzustand und kann dann gezielt die weitere Therapie mit dem Rettungsdienstpersonal festlegen. Gleichzeitig können wichtige medizinische Daten, wie z. B. das EKG-Bild, an das aufnehmende Krankenhaus übertragen werden, so dass diese bereits vor Eintreffen des Patienten vorliegen.

Zudem ist beabsichtigt, gemeinsam mit anderen Kreisen in OWL ein Ersthelfersystem einzuführen. Denn im Notfall zählt jede Minute. Ein Ersthelfersystem lebt davon, dass zufällig in der Nähe eines Notfallortes befindliche, besonders ausgebildete Ersthelfer per Handy-App über die Leitstelle über den Notfall in ihrer Nähe informiert werden. So kann die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes genutzt werden, um mit der medizinischen Versorgung zu beginnen. Derzeit werden die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für beide Systeme geschaffen.

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