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Kreishaus
Wewelsburg

02. September 2020

Spezialanfertigung macht es möglich:

Virtuelles Blättern durch ein höchst fragiles, jahrhundertaltes Vorlagenbuch

Kreismuseum Wewelsburg mit neuer Medienstation zur gehobenen bürgerlichen Wohnkultur im 17. bis 19. Jahrhundert (© Kreismuseum Wewelsburg) 
Kreismuseum Wewelsburg mit neuer Medienstation zur gehobenen bürgerlichen Wohnkultur im 17. bis 19. Jahrhundert (© Kreismuseum Wewelsburg)

In der Abteilung zum Bürgerlichen Wohnen im Historischen Museum des Hochstifts Paderborn im Raum 14 erwartet die Besucherinnen und Besucher ein ganz besonderes Erlebnis: Ein einzigartiges, 175 Seiten umfassendes Vorlagenbuch für Innenraumgestaltungen, Möbel oder auch Zimmerverzierungen, das mindestens bis Mitte des 19. Jahrhunderts benutzt worden ist, kann dank einer eigens für das Kreismuseum gefertigten Medienstation näher betrachtet werden.
Sowohl das Buch als auch die neun Einzelseiten ruhen lichtgeschützt im Inneren und können per Knopfdruck durch einen Elektromotor unter eine Glashaube (Buch) bzw. unter eine Glasscheibe (Einzelseiten) gefahren werden. Die Medienstation, die bisher in einer separaten Einhausung untergebracht war, macht es möglich, virtuell durch das höchst fragile Buch zu blättern und alle Entwürfe, Zeichnungen oder Originalmuster zu betrachten. Neun Kapitel geben vertiefende Einblicke in verschiedene Themen, wie z. B. Informationen zu den Künstlern der Vorlagen oder nähere Erläuterungen zu einem Zimmerentwurf, der nur in diesem Vorlagenbuch erhalten ist.

 
1931 gelangte das Buch in den Besitz des Kreismuseums und wurde bislang in einer Fensternische gezeigt. Die beachtliche Bandbreite an Entwürfen umfasst Kupferstiche, Radierungen, Aquarelle und Handzeichnungen sowie Originalmuster von Tapeten. Der bei weitem überwiegende Teil stammt aus dem 18. Jahrhundert. Darüber hinaus sind auch einzelne Stiche enthalten, die nach Werken berühmter Maler aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert angefertigt wurden. Die jüngsten Abbildungen sind die verzierten Umschläge von Taschenkalendern aus dem frühen 19. Jahrhundert. Der letzte eingeklebte Umschlag weist die Datierung 1826 auf.

Die Darstellungen sind in vielen Fällen aus zeitgenössischen Lehrbüchern herausgetrennt worden. Es finden sich darunter Drucke von Werken berühmter Meister des Barock und Rokoko, so z. B. Ornamententwürfe des Architekten und Innendekorateurs François de Cuvilliés und Wandgestaltungen des Malers François Boucher, Hofmaler Ludwigs XV.

Von der ersten Idee, über frühe Entwürfe, die konkrete Planung und schließlich den langen Weg bis zur Fertigstellung dauerte es über ein Jahr. Es war Erfindergeist, reichlich Ausprobieren und Tüftelei und eine Testphase nötig, bis die Technik ausgereift war. Immer wieder mussten Kleinigkeiten angepasst und verbessert werden. Jetzt endlich fand dieses Spezialmöbel seinen Weg in die Ausstellung.

Das Kreismuseum freut sich nun auf viele interessierte Besucherinnen und Besucher, die sich von der Vielfalt dieses Vorlagenbuchs begeistern lassen wollen.

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