20. Januar 2026
Mit den Biotonnenkontrolleuren des Abfallverwertung- und Entsorgungsbetriebs A.V.E. auf Tour
Bananenschalen, Kaffeefilter, das Unkraut aus dem Vorgarten und weitere biologisch abbaubare Stoffe gehören in die Biotonne. Ganz klare Geschichte - für den Großteil der Bevölkerung. Michael und Uwe erleben täglich, dass dieses Prinzip noch nicht von allen verstanden worden ist. Die beiden sind Biotonnenkontrolleure, Mitarbeitende des Abfallverwertung- und Entsorgungsbetriebs AV.E. des Kreises Paderborn (A.V.E), und täglich auf den Straßen im Kreisgebiet unterwegs. Ihr Job ist es, Aufklärungsarbeit zu leisten mit dem Ziel, Kunststoffe und andere Fremdstoffe im Bioabfall zu vermeiden. Nur so kann aus Bioabfall hochwertiger Kompost gewonnen werden. Dazu schauen die beiden in über 78.000 Biotonnen im gesamten Kreis Paderborn.
Bereits seit Mai 2023 kontrollieren die beiden in einem Gemeinschaftsprojekt des A.V.E. Eigenbetriebes und des ASP-Paderborn das Kreisgebiet, um bereits im Vorfeld die Novellierung der Bioabfallverordnung (BioAbfV), die am 1. Mai 2025 in Kraft trat, umzusetzen. Höchstens ein Prozent Kunststoffe – und das gilt auch für sogenannte „kompostierbare“ Plastiktüten – sind demnach zulässig. Dieser Grenzwert wird an diesem Morgen direkt beim ersten Blick in eine Biotonne überschritten. Zusätzlich zum erlaubten Müll finden die zwei „Tonnen-Kieker“, wie sie sich selbst nennen, einen Plastikbeutel mit Abfallallerlei, darunter eine Milchverpackung und Zigarettenfilter. Eindeutig zu viel des Guten. Als Konsequenz erhält die grüne Tonne eine rote Karte mit der Aufschrift „Ihre Biotonne konnte nicht geleert werden“ und erklärenden Hinweisen für die Verbraucher.
„Damit werden die Eigentümer von uns dazu verpflichtet, vor der nächsten möglichen Leerung sämtliche Störstoffe aus der Tonne zu entfernen“, erklärt Kontrolleur Michael. Nur dann ist garantiert, dass der Behälter bei der kommenden Tour der Müllabfuhr wieder zur Sammlung angefahren wird. Eine andere Möglichkeit ist, zu den eigentlichen Müllgebühren extra Geld in die Hand zu nehmen und den verunreinigten Bioabfall als Restmüll zu entsorgen.
„Es gibt einige Wiederholungstäter, die rote Karten sammeln“, erzählt Michael. „Kommt unter einem entsorgten Tannenbaum eine prallgefüllte Plastiktüte zum Vorschein, ist das schon vorsätzlich“, so der 44-Jährige. Doch lobt er auch viele verständnisvolle Bürgerinnen und Bürger, „die nur in geringem Maße und oft aus Unwissenheit auffällig werden“. Für sie gibt es eine Verwarnung in Form einer gelben Karte.
Auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher lohnt es sich auf jeden Fall, vorher genau hinzusehen. Denn aus dem wertvollen Bioabfall wird bei der Firma Kompotec in Nieheim bekanntlich wertvoller Kompost als Dünger gewonnen. Dieser Kompostierungsprozess wird in circa sechs Wochen umgesetzt. Nicht jede mit Bio ausgezeichnete Mülltüte ist auch biologisch in so kurzer Zeit abbaubar. Der Sammelbeutel ist selbst für eine Eigenkompostierung oft nicht geeignet, was im Kleingedruckten nachzulesen ist. „Problemlose Müllentsorgung funktioniert im besten Fall in Papiertüten oder dünnem Zeitungspapier“, gibt Kontrolleur Uwe den Verbrauchern mit auf den Weg.
Entdeckt haben die beiden Biotonnenkontrolleure auf ihren Touren schon allerhand Kuriositäten. Von Altölkanistern, über ein totes Wildschwein und verendete Hühner bis hin zu Erotikkleidung und -spielzeug war alles dabei. Jedes dieser Details wird zur Beweissicherung via Foto festgehalten. Per eingestanzter Nummer oder auch zusätzlichem Adressaufkleber lässt sich so jederzeit ermitteln, wem welcher Behälter zuzuordnen ist.
„Daher fällt auch auf, wenn die Tonne zur Leerung einfach einer anderen Person in der Nachbarschaft vor die Tür gestellt wird“, so Michael. Auch das kommt immer wieder vor.
„Manchmal gibt es auch Behälter, aus denen uns beim Öffnen die Ratten entgegenspringen“, berichtet Uwe. Doch bleibt er auch dabei ganz unaufgeregt. Der Biotonnenkontrolleur macht seinen Job einfach gerne. „Wir sind immer an der frischen Luft, gehen täglich zwischen 9 und 11 Kilometern und tun damit auch noch der Umwelt etwas Gutes“.
Bei der aktuellen Tour checkten die Kontrolleure 296 Biotonnen. 270 davon waren einwandfrei, sieben Tonnen erhielten eine gelbe Karte, 19 Tonnen wurden aufgrund von starken Verunreinigungen mit Fremdstoffen zur Abfuhr gesperrt.
Seit Kontrollstart im Mai 2023 überprüften die Biotonnenkontrolleure insgesamt 189.500 Biobehälter (Stand: 12. Januar 2026). Welche Sanktionen bei schlechter Mülltrennung gelten, entscheiden die jeweiligen Kommunen per Satzung.
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