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Afrikanische Schweinepest (ASP)

Afrikanische Schweinepest rückt näher: Kreis Paderborn zahlt ab sofort Aufwands-entschädigung von 40 Euro für Frischlinge mit einem Gewicht von bis zu 25 kg

Immer mehr Haus- und Wildschweine infizieren sich in den Ländern östlich von Deutschland mit dem Erreger der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, registrierte in 2017 insgesamt 4140 Fälle von ASP in Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Ukraine und Rumänien. Allein im Januar 2018 wurden 759 Fälle gemeldet. Die Gefahr rückt jeden Tag näher. Gelangt das Virus in heimische Schweinebestände, müssten Tausende von Tieren gekeult werden. Der Schaden für die Landwirtschaft wäre immens. Der Kreis Paderborn zahlt ab sofort allen Jagdausübungsberechtigten eine Aufwandsentschädigung für die Erlegung von Frischlingen mit einem Gewicht von bis zu 25 kg, um die Wildschweinpopulation zu senken. Das Paderborner Kreisordnungsamt informierte in einem Schreiben rund 200 Jagdausübungsberechtigte über diese Maßnahme zur Bekämpfung der ASP.

Die Reduzierung der Wildschweinbestände ist ein Baustein gegen die Afrikanische Schweinepest (Foto: ©prochym - stock.adobe.com)
Die Reduzierung der Wildschweinbestände ist ein Baustein gegen die Afrikanische Schweinepest (Foto: ©prochym - stock.adobe.com)

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit sieht die hohe Wildschweindichte in Deutschland als kritisch an, da dem Virus der Afrikanischen Schweinepest bei Einschleppung ein großes Reservoir zur Ausbreitung und Etablierung zur Verfügung stehen würde. Eine Reduzierung der Population vor Einschleppung der Tierseuche sei daher wünschenswert, so das FLI, zumal es weder einen Impfstoff noch Therapiemöglichkeiten gebe. Für den Menschen ist die Tierseuche ungefährlich.
Der Arbeitskreis „Wild-Lebensraum-Gesellschaft“ hatte Landrat Manfred Müller in seiner jüngsten Sitzung dazu geraten, Wildschweine intensiver zu bejagen und dafür eine solche Aufwandsentschädigung zu zahlen.
Die Reduzierung von Wildschweinbeständen ist ein Baustein im Kampf gegen die ASP. Das FLI schätzt das Risiko einer Einschleppung der Seuche durch kontaminiertes Schweinefleisch oder daraus hergestellte Erzeugnisse als sehr hoch ein. Das Virus ist nicht nur sehr ansteckend sondern auch äußerst widerstandsfähig: In Fleisch- und Wurstwaren hält es sich mitunter monatelang, in Gefrierfleisch sogar bis zu sechs Jahre. Speisereste, die Reisende oder Fernfahrer an Tankstellen, Raststätten oder Autobahnparkplätzen wegwerfen, sind eine Gefahr. Werden infizierte Fleisch- und Wurstreste von Wildschweinen gefressen tragen diese dann den Virus in sich und können ihn weiterverbreiten. Nach Angaben des FLI gibt es jedoch keine Hinweise, dass Raubtiere und Aasfresser (Fuchs, Marderhund, Greifvögel, Raben, Krähen) und insbesondere der Wolf bei der Verbreitung eine Rolle spielen.
Eine Übertragung des Erregers ist nicht nur von Tier zu Tier sondern auch indirekt über kontaminierte Fahrzeuge oder Kleidung und Schuhwerk möglich. Der leitende Veterinär Dr. Klaus Bornhorst erinnert noch einmal an die wichtigsten Bestimmungen in der Schweinehaltungshygiene-Verordnung: So müssen Ställe regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Speise- und Küchenabfälle dürfen auf keinen Fall an Schweine und Wildschweine verfüttert werden. Wildschweine sind vom Hof fernzuhalten. Deshalb muss das Hofgelände umzäunt sowie Futtermittel und Streu unerreichbar gelagert werden.

Tote Wildscheine, die ohne erkennbaren Grund (Schussverletzungen, Unfall), verendet aufgefunden werden, sollten unbedingt den Veterinären gemeldet werden, telefonisch unter 05251 308-3902 oder 05251 308-3952, per E-Mail veterinaeramt@kreis-paderborn.de.
Außerhalb der Öffnungszeiten oder an Wochenenden über die Kreisleitstelle, 02955 7676-0. Denn dann können Proben gezogen werden, um eine mögliche Infektion nachzuweisen und Schutzmaßnahmen einzuleiten.

Hintergrund:
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine Viruserkrankung, die ausschließlich Schweine (Haus und Wildschweine) betrifft. Für den Menschen oder andere Haus- und Wildtiere besteht keine Gefahr. Das Virus wird über Tierkontakte (über alle Körperflüssigkeiten), kontaminierte Fahrzeuge oder Kleidung und Schuhwerk sowie über Speiseabfälle mit kontaminiertem Schweinefleisch übertragen. Die Erkrankung führt in der Mehrzahl der Fälle zum Tod der Tiere innerhalb einer Woche.

 
 
 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft weist daraufhin, dass die ASP durch Lebensmittel mit infiziertem Fleisch auf Tiere übertragen werden kann. Deshalb sind Speisereste, die Reisende oder Fernfahrer an Tankstellen, Raststätten oder Autobahnparkplätzen hinterlassen, eine Gefahr, weil sie von Wildscheinen aufgefressen werden könnten. Diese wiederum tragen den Virus dann in sich und verbereitern ihn weiter.

Das Ministerium bittet deshalb, alle Speisereste nur in verschlossene, also abgedeckte Müllbehälter zu entsorgen, die für Tiere damit unerreichbar sind.

Bei Verdacht einer Infektion nehmen Sie bitte sofort Kontakt zu Ihrem Tierarzt oder zu den Veterinären des Kreises Paderborn auf

05251 308-3902

05251 308-3952

05251 308 - 3999

veterinaeramt@kreis-paderborn.de.

 

Was ist die Afrikanische Schweinepest?

Die ASP ist eine hoch ansteckende, anzeigepflichtige Viruserkrankung mit seuchenhaftem Verlauf und hoher Sterblichkeit, die nur Haus- und Wildschweine befällt. Das Krankheitsbild ist extrem variabel und reicht von plötzlichen Todesfällen bis hin zu unspezifischen Allgemeinsymptomen (u. a. Futterverweigerung, Mattigkeit, Diarrhöe und Festliegen) und Aborten. Die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen, insbesondere zur Klassischen Schweinepest (KSP) ist schwierig. Eine sichere Diagnose kann daher nur im Labor gestellt werden. Das Virus der ASP ist sehr widerstandsfähig und hält sich in unbehandeltem Fleisch und Fleischprodukten, Blut sowie in gepökelten oder geräucherten Waren monatelang und viele Jahre in tiefgefrorenem Fleisch. So sind die meisten Ausbrüche in europäischen Ländern bisher auf die Verschleppung des Virus in Speiseabfällen im weltweiten Reiseverkehr zurückzuführen. Entsprechend gilt ein Verbringungsverbot von Tieren und Waren aus Schweinepest-Regionen.

Für den Menschen und andere Haustierarten ist die ASP nicht gefährlich. Selbst der Verzehr infizierten Schweinefleisches birgt für den Menschen kein gesundheitliches Risiko. Der wirtschaftliche Schaden kann indes beträchtlich sein.

Welche Übertragungswege gibt es?

Übertragen wird das ASP-Virus entweder durch direkten Kontakt von Tier zu Tier, da es mit allen Se- und Exkreten (z. B. Speichel, Urin, Kot, Sperma) ausgeschieden wird. Direkte Kontaktmöglichkeiten zwischen den Tieren bestehen u. a. im Stall, auf Transporten/Viehsammelstellen/Viehmärkten sowie bei offenen Haltungsformen auch durch Kontakt zwischen Wild- und Hausschweinen.

Auch indirekt durch Kontakt zu virusbehafteter Kleidung, Futtermittel, Schlacht-/Speiseabfällen, Gülle/Mist oder sonstigen Gerätschaften ist eine Ansteckung der Tiere mit dem ASP-Virus möglich.

Bei der ASP kommt insbesondere der Überragung durch Blut oder mit Blut kontaminierten Gegenständen eine besondere Bedeutung zu. Zecken spielen hingegen in Deutschland als Vektoren eine untergeordnete Rolle.

Wie hat sich die ASP bereits ausgebreitet?

Die ASP ist momentan in Regionen der Russischen Föderation, Weißrussland, Georgien und Armenien, in Litauen und der Ukraine sowie auf der italienischen Insel Sardinien und in Teilen Afrikas nachgewiesen. Eine Einschleppung des Seuchenerregers über den Reiseverkehr (auch Jagdtourismus!) oder Güter- bzw. Tierverkehr ist daher nicht außer Acht zu lassen. Es besteht somit auch eine Gefahr für die deutschen Schweinebestände. Die Ausbrüche in Litauen geben Anlass zur Sorge.

Eingeschleppt in nicht verseuchte Gebiete verläuft die ASP bei Schweinen verheerend. Neben der Tötung und unschädlichen Beseitigung aller Schweine des betroffenen Betriebes sowie der Kontaktbetriebe werden großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten eingerichtet. Ein Ausbruch dieser Seuche hat enorme wirtschaftliche Schäden zur Folge. Es gilt daher, die Einschleppung der ASP nach Deutschland und ggf. ihre Ausbreitung in den Schweinebeständen zu verhindern.

Es gibt weder Impfstoffe noch Arzneimittel, um einer ASP-Infektion vorzubeugen!

Bei unklaren Krankheitsgeschehen im Bestand mit hoch fieberhaften Tieren, erhöhter Sterblichkeit oder erfolgloser antibiotischer Behandlung müssen unbedingt frühzeitig Proben entnommen und eine Ausschluss-Diagnostik im Labor durchgeführt werden! Diese Ausschluss-Diagnostik hat keine Folgen für den Betrieb und bedeutet nicht, dass ein Verdacht auf Schweinepest vorliegt. Eine frühzeitige Erkennung trägt jedoch wesentlich dazu bei, dass das Seuchengeschehen rasch eingedämmt wird und viele Betriebe von der Seuche verschont bleiben.

Was können Sie als Tierhalter tun?

Von entscheidender Bedeutung für die Verhinderung des Seucheneintrages in den Betrieb ist die strikte Einhaltung der in der Schweinehaltungshygiene-Verordnung normierten Regeln.

  • Speise- und Küchenabfälle dürfen grundsätzlich nicht an Schweine (Haus- u. Wildschweine) verfüttert werden! Insbesondere von unkontrolliert aus dem Ausland eingeführten Fleisch- und Wursterzeugnissen geht ein erhöhtes Risiko aus.
  • Sauberkeit und strikte Hygiene auf dem Betrieb sind einzuhalten (z. B. Trennung von reiner und unreiner Seite, Zugangsbeschränkungen zu den Ställen, Sauberkeit von Personal und Gerätschaften, betriebseigene Schutzkleidung, Desinfektionsmatten; Reinigung und Desinfektion aller Fahrzeuge, Abholung toter Tiere außerhalb des Betriebsgeländes, Schädlings- und Schadnagerbekämpfung); Desinfektionswannen für Stiefel erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn die Stiefel zuvor ordnungsgemäß gereinigt worden sind und die Desinfektionslösung regelmäßig erneuert wird;
  • Strikte Unterbindung des direkten/indirekten Kontaktes von Haus- zu Wildschweinen. Freilandhaltungen sind hier besonders gefährdet, aber auch konventionelle Betriebe müssen geeignete Vorsichtsmaßnahmen ergreifen (z. B. wildschweinsichere Umzäunung des Betriebsgeländes und unzugängliche Lagerung von Futtermitteln und Einstreu).
  • Auch Hobbyhalter von Schweinen sollten sich der Problematik bewusst sein und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.
  • Landwirte mit Zweigstellen bzw. weiteren Standorten im osteuropäischen Raum stellen bei Verbringung von dortigen Futtermitteln o. a. Waren (= potentielle Virusträger) ein unkalkulierbares Seuchenrisiko für die heimischen Wild-/Schweinebestände dar.

Die ASP äußert sich beim Wildschwein neben erhöhten Fallwildzahlen u. a. mit verminderten Wurfgrößen bei Frischlingen, abgemagerten Stücken und Verhaltensänderungen. Anders als bei der KSP zeigen an ASP erkrankte Wildschweine in der Anfangsphase einer Epidemie keine Verhaltens verändernden Merkmale. Die Wildschweine verenden, bevor derartige Merkmale überhaupt anzusprechen sind. Erst im weiteren Verlauf der Epidemie zeigen Wildschweine Verhaltens verändernde Merkmale, weil sie nicht mehr so schnell verenden. Da in etlichen Regionen der Russischen Föderation die ASP verbreitet ist, stellt die Übertragung über den Reiseverkehr/Jagdtourismus eine besondere Gefahr dar.

Was können Sie als Jäger vorbeugend tun?

  • verstärkte Bejagung von Wildschweinen zur Reduktion der Population
  • revierübergreifende Jagden organisieren, keine unnötigen Beschränkungen in der Freigabe
  • hoher jagdlicher Eingriff in die Altersklassen der Frischlinge und Überläuferbachen innerhalb des rechtlichen Rahmens
  • keine Verwendung von Aufbruch von Wildschweinen oder sonstigen Schlachtresten für Luderplätze
  • kontinuierliche Beteiligung an Überwachungsprogrammen (Monitoring), insbesondere Fallwildstücke zur Untersuchung bringen (Röhrenknochen)
  • bei Auffälligkeiten (Fallwildhäufung, abgekommene Stücke, mangelnde Scheu, besondere Merkmale an erlegten Stücken usw.) unverzüglich das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen unter 05251 – 308-3902 oder 308-3952 informieren.

Was müssen Schweinehalter, die auch Jäger sind, generell zur Seuchenvorsorge beachten?

  • Konsequentes Hygienemanagement auf dem Betrieb, Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen gem. Schweinehaltungshygiene-Verordnung
  • nicht mit Jagdbekleidung/ -ausrüstung/ -hund in den Stall gehen
  • kein Wildschwein auf dem Betrieb aufbrechen
  • kein Kontakt von Hausschweinen zu Blut bzw. blutverunreinigten Gegenständen
  • besondere Vorsicht beim Aufbrechen/Zerwirken/Entsorgen der nicht verwertbaren Reste
  • kein Schwarzwild anderer Jäger in eigener Wildkammer aufnehmen
  • Reinigung der Jagdausrüstung (Messer/Stiefel) nicht im Stall oder der Hygieneschleuse
 
 
 

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