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Kreishaus
Wewelsburg

11. Oktober 2019

Ein (fast) vergessener Krieg und seine Folgen für das Paderborner Land

Wewelsburger Ausstellung zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 geplant, gesucht werden private Erinnerungsstücke

In seinem Namen mussten die Männer aus dem Paderborner Land 1870 in den Krieg gegen Frankreich ziehen. Die Wewelsburger Ausstellungskuratoren Markus Moors (l.) und Andreas Weiß mit einem Porträt des preußischen Königs Wilhelm I., der 1871 zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde. (©Kreismuseum Wewelsburg) 
In seinem Namen mussten die Männer aus dem Paderborner Land 1870 in den Krieg gegen Frankreich ziehen. Die Wewelsburger Ausstellungskuratoren Markus Moors (l.) und Andreas Weiß mit einem Porträt des preußischen Königs Wilhelm I., der 1871 zum Deutschen Kaiser proklamiert wurde. (©Kreismuseum Wewelsburg)

Das Kreismuseum Wewelsburg plant im Herbst 2020 eine Ausstellung über den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 und seine Wahrnehmung durch die Menschen im Paderborner Land. Gesucht werden private Erinnerungsstücke aus der Zeit um 1870, die vielleicht noch auf Dachböden, in Kellern, Kisten oder Fotoalben ein fast vergessenes Dasein fristen. Als Leihgaben könnten sie die kommende Ausstellung bereichern. Das Kreismuseum Wewelsburg lädt alle Interessierten ein, daran mitzuwirken.

Kaum präsent in der gegenwärtigen Erinnerungskultur

Der Krieg zwischen den deutschen Staaten unter preußischer Führung und Frankreich jährt sich zum 150. Mal. In seinem Verlauf entstand ein vereinigtes deutsches Kaiserreich, das bis 1918 bestand und die weitere Entwicklung der deutschen und europäischen Geschichte entscheidend prägte. Dennoch spielen die Ereignisse von damals in der gegenwärtigen Erinnerungskultur in Deutschland kaum eine Rolle. Sie scheinen nicht zuletzt durch die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert völlig überlagert zu sein. Das Kreismuseum Wewelsburg nimmt den 150. Jahrestag des Deutsch-Französischen Kriegs jedoch zum Anlass, zum ersten Mal eine Ausstellung zu erarbeiten, die sich mit einem Thema aus der Zeit befasst, in der das ehemalige Hochstift Paderborn ein Teil des preußischen Staates war (1802/1816 – 1947). Diese Ära wird in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt der Museumsarbeit bilden.

Gesucht werden Tagebücher, Briefe, Orden, Bilder von Soldaten...

Für die wehrpflichtigen Männer aus dem Paderborner Land war es nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 und der preußisch-österreichischen Auseinandersetzung von 1866 der dritte Krieg innerhalb weniger Jahre, an dem sie als preußische Soldaten teilnehmen mussten. Im Vergleich zu den beiden vorherigen Waffengängen stieg die Zahl der Getöteten und Verwundeten merklich an. Der vielfältig illustrierte Erlebnisbericht des damaligen Unteroffiziers und späteren Oberpostsekretärs Johannes Boedeker aus Paderborn bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung. Er lenkt den Blick auf die kriegerischen Geschehnisse, die nach vielen, für beide Seiten äußerst verlustreichen Schlachten und Scharmützeln innerhalb weniger Monate zur Eroberung Frankreichs führten. In diesem Zusammenhang sucht das Kreismuseum nach weiteren Tagebüchern, Briefen, Orden, Erinnerungszeichen oder Bildern von Soldaten und Zeitzeugen aus den damaligen Kreisen Büren und Paderborn. Von großem Interesse sind auch zeitgenössische Zeugnisse, die das Miterleben des Krieges durch die Menschen in der frontfernen Region um Paderborn widerspiegeln.

Durch die Einführung von Gedenktagen (Sedan-Feiern am 2. September), die Bildung von Veteranenvereinen, das Aufstellen von Gefallenendenkmälern oder eine Flut an Erinnerungsliteratur wurde der Deutsch-Französische Krieg in der Folgezeit zu einem wichtigen Bezugspunkt der nationalistischen und militaristischen Identitätsbildung im preußisch-deutschen Kaiserreich. Auch in den Dörfern und Städten des Paderborner Landes sind diese Entwicklungen wahrnehmbar gewesen.

Kirsten John-Stucke, Leiterin des Kreismuseums Wewelsburg: Das Wewelsburger Ausstellungsteam ist für jeden Hinweis auf einschlägige Denkmäler, Vereine oder erinnerungskulturelle Objekte dankbar.

Unmittelbar nach der Reichsgründung von 1871 sahen sich die Katholiken in Deutschland dem Vorwurf ausgesetzt, Reichsfeinde zu sein, die mehr dem Papst in Rom als dem Kaiser in Berlin gehorsam seien. Die preußisch-deutsche Staatsführung unter Otto von Bismarck versuchte, die katholische Kirche als gesellschaftlichen und politischen Faktor zu verdrängen. Der sogenannte „Kulturkampf“ der folgenden Jahre führte unter anderem zur Verhaftung und zur Flucht des Paderborner Bischofs Konrad Martin. Viele Pfarreien im Bistum Paderborn blieben jahrelang ohne einen Geistlichen. Der Verfolgungsdruck der 1870er Jahre behinderte die Integration der Katholiken ins neue Kaiserreich erheblich und schweißte sie andererseits noch mehr zusammen. Die damals entwickelten Formen des Katholizismus prägten nicht nur das religiöse, sondern auch das gesellschaftliche Leben im Paderborner Land nachhaltig. Auch die zeitgenössische Wahrnehmung der Ergebnisse des Deutsch-Französischen Krieges durch die Katholiken blieb davon nicht unbeeinflusst.

Das Kreismuseum Wewelsburg möchte in der Ausstellung ein möglichst facettenreiches Bild des Paderborner Landes zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges und der Reichsgründung zeichnen. Deshalb interessieren sich die Ausstellungsmacher Andreas Weiß und Markus Moors für alle Zeugnisse des gesellschaftlichen, politischen und religiösen Lebens im Paderborner Land aus den Jahren um 1870/71.

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